..zutreffend. Und dann treffen unsere Blicke sich und ich höre dich
verächtlich sagen „Wen zur Hölle hast Du bitte gemeint?!“. Es sind vor Verständnislosigkeit
sich mir durchdringend in mein Gedächtnis brennende Blicke, leere, traurige –
von Zeit zu Zeit wütende Blicke. Das Gesicht leicht verquollen und gerötet
sieht es mich an. Irgendwann wenden wir uns voneinander ab. Es ist genug. Licht
aus. Dunkelheit. Doch am nächsten Morgen steht er noch immer dort. Zeigt Spuren
der Abnutzung, hier und dort einen blinden Fleck und mir noch immer mein
Spiegelbild. Selbst Schuld.
Leere Worthülsen und fleißig erlernte Floskeln – wahrscheinlich aus einer Soap
aufgegriffen, lässig dahingerotzt. Sicherlich auch eine Form der modernen
Kunst. Und was wenn auch Deine selbstsichere nach Außen getragene Fassade in den
Pirouetten des gegnerischen Sturms in´ s Wanken gerät? Stehst Du dann stotternd
wie zum ersten Schultag vor Deinem dich um ein Zweifaches überragenden
Gegenüber und versuchst händeringend Land zu gewinnen?
..und übrigens: Wenn schon, dann
wenigstens zutreffend. Alles andere wirkt lächerlich, verzeih´.
Manchmal
bin ich ein emotionaler Dreckhaufen. Sowas wie ein sentimentales
Wrack das selbige scheinbar anzieht. Und wieder bleibt mir nichts
anderes übrig als zu rennen. Hinaus durch den Regen, hinein in die
Nacht. Das ist die Zeit zu der man keiner Seele mehr im Wald begegnet
und alleine stumm vor sich hin schreien kann. Steine und Äste landen
im Moorweiher über dem ein Dunst aus Nebel hängt in dem Schwalben und Fledermäuse Tauchen gehen. Hier ist keiner. Und wenn
doch, dann will ich ihn verdammt nochmal kennen lernen!
..und übrigens: Abtauchen. Leere spüren. Wasser sehen. Nichts sehen. Abschalten.
Gefühle
gehen vorüber. Immer. Drei Wochen die volle Dröhnung und ich bin wieder gesund.
Geheilt von dem Chaos meiner mir etwas vorgaukelnden Östrogene um die ich nicht
gebeten habe. Ist nur etwas unzuverlässig im zeitlich Allgemeinen und doch im
Grunde genommen völlig durchschaubar. Schön aber anstrengend und zu absolut und
überhaupt rein gar keinem Happy Ending führend. Niemals. Mieses Hollywood.
..und übrigens: Irgendwann hab ich vor lauter Suchen das Finden verpasst.
Ja fangen denn jetzt alle Männer das Menstruieren an? Oder kann mir wer das sich hier pockenhaft verbreitende Morbus Mimimi erklären? Vielleicht haben auch ein übermäßiger Konsum an Bier und Tiefkühlpizzen für eine derarte Verweiblichung des ach so viel härteren und stärkeren Geschlechtes gesorgt? Man weiß es nicht. Aber wenn das so weiter geht, hänge ich in Zukunft keine Unterwäsche mehr an die frische Luft zum Trocknen, da weiß frau ja nie..
..und übrigens:
Es kann sich schon überaus nervig gestalten, sich das Gezicke manch einer vor Östrogen übersprudelnden Frau anzuhören.. aber wenn jetzt auch noch die Männer damit anfangen? Wo kommen wir denn da hin??
Anbei ein wenig Männlichkeit, bitte, bedient Euch:
Ruhelos unter der
dicken Daunendecke begraben, wälze ich mich von der einen zur
anderen Seite der längst durchgelegenen Matratze und erhoffe mir
weiß Gott was für eine wundersame Wirkung davon. Ich kann nicht
aufhören zu Denken, nachzudenken über alles und jeden.
Rekonstruiere nicht geführte Gespräche und halte Zwiesprache mit
mir selbst. Seit Tagen rauben Gedanken und Vorwürfe mir meinen
Schlaf. Ich laufe unruhig durch den Tag, vom steten Schwingen einer Abrissbirne begleitet, die ohne Unterhalt gegen die Innenseite meines Schädelknochens zu hämmern scheint und beginne wie zuletzt in
Kindheitszeiten damit, nervös meine Gesichtsmuskulatur spielen zu
lassen.
Und da ist es
wieder. Wieder das eine, unaufhaltsam – gleich eines Aasgeiers
über seiner Beute - kreisende Wort: „Schlecht!“ Kontinuierlich
routiniert wie ein Ohrwurm der sich wochenlang festsetzt und
sämtlichen sich neu hinzu gesellenden Fremdeinflüssen trotzt.
Ist es egoistisch zu
nennen, anderen zu helfen, wenn man sich selbst dabei besser fühlt?
Tut man etwas wirklich und wahrhaftig selbstlos? Und - erzieht uns
die christliche Überzeugung mit ihrem Fabel für selbstlose Taten
nicht zwangsläufig zu heranwachsenden, potenziellen Burnout
Patienten?
Arbeit soll sich
endlich über die abstrusen Gefühle stellen, versuche durch
permanente Ablenkung zu verdrängen, was mich nachts zwangsläufig
wieder einholt und werde trotz allem das Gefühl nicht los, so Vielen
etwas schuldig zu sein. Diese Gedanken lassen sich nicht einfach fort
schieben, wie ein ausgedientes Möbelstück. Unaufhaltsam graben sie
sich Nacht für Nacht ihre Gänge in mein Bewusstsein und nisten sich
dort ein, wo ich ihnen gegenüber willentlich schon längst machtlos
bin. Sie sitzen lauernd in ihren Höhlen, tief unten in meinem Unterbewusstsein, höhnisch vor sich
hin kichernd. Also trete ich - wütend, dass ich so viel mehr tun
könnte – mich selbst in eine Vorstellung von mir, die mir nicht
gefällt und ich darf mich nicht einmal beschweren.
Und zeitgleich wird einem
auf silbernem Servierteller die Ansicht präsentiert und in den
Wunden Punkt gerieben, dass man dumm sei. Hättest es nicht
deutlicher ausdrücken können – Danke auch.
Suspekt?
Ich hab´s satt.
Will die Tabletten
gegen die Wand schmeißen und den penetrant in der Zeit vorwärts
drängenden Wecker gleich hinterher. Aber was bringt´s, außer ´ner
Delle und der Angst zu verschlafen?
Schlafen - zur
Abwechslung.
Nur ein wenig.
Das wäre schön.
...auf die
Frühschicht folgt eine spontane Nachtschicht. Jemand ist krank. Ist
okay, ist eh mein freies Wochenende. Es folgt eine ungeplante
Spätschicht. Jemand ist krank. Ist okay, ist eh mein freier Mittag.
Freizeit wird überbewertet. „In solchen Situationen haben Sie
persönliche Bedürfnisse nun mal hinten anzustellen.“
(wahrhaftig existenter, zurückliegender Wortlaut) Übermüdet lasse ich mich vom
Stadtverkehr in Richtung „Nach Hause“ tragen. Die Augenlider auf
Halbmast fahre ich rechts ran, will heute keine Bekanntschaft mehr
mit dem Gegenverkehr machen.
Und dann schlafe
ich. Endlich. Bis ein Anruf mich aus der Traumwelt reißt-
und schlaftrunken diesen entgegennehmen lässt: Ob ich nicht
einspringen könne, jemand sei krank, wäre das okay? Sei ja eh mein
freier Tag.
..und übgrigens:
Die tanzenden Schattengestalten neben meinem Bett könnten meine Freunde werden - sie haben´s mir heimlich zugeflüstert, mir versprochen.
Mei, diese schrecklich betrüblichen Züge von Herbstdepressionen! Und dabei habe ich doch gerade erst die Sommerträgheit hinter mir liegen lassen. Und davor die Frühjahresmüdigkeit! Und davor... Wo soll das hinführen? Die Weihnachtsplätzchen die sich nun seit Anfang des Monats schon wieder in die Kaufhausregale eingenistet haben, haben sich wie ein Algen-Tang-Plankton-Gedöns am Bug eines Schiffes an meinem Bauch festgesetzt und verzieren dort in ihrer nicht mehr ganz der ursprünglichen Sterne-Tannenbaum-Renntierform als einheitlich langgezogener Weichmassenklumpen meinen Rumpf. Hübsch. Kann man tragen - muss man aber nicht. Immerhin, noch schäkert die spärlich auftretende Sonne mit meinem Gemüt, während sie dabei so langsam in ihren tiefen Winterschlaf verfällt (eine kleine Freude gilt wenigstens dem Verschwinden der Sonnenallergie, die im Sommer besonders liebreizend mit meiner Haut umgeht..). Und während die goldenen Griffel sich ein letztes Mal verlockend aber trügerisch über´s Land verstreuen, friert einem beim motivierten ersten Schritt zur Türe heraus schon die Fußsohle nach wenigen Augenblicken mit der gepflasterten Hofeinfahrt zusammen. Gut, ich sehe ein, dass Barfußlaufen bei 5°C doch vielleicht nicht die geeignetste, den Umständen entsprechendste Kleidungsform darstellt, um mit der mir zu Füßen liegenden Bodenwelt in Kontakt zu treten. Nundenn, sitz´ ich halt barfüßig in´s von Sitzheizung und Heißluft zur Sauna umfunktionierte Auto, setz die getönte Sonnenbrille auf, lehn mich zurück und tu so als sei wieder Sommer.
..und übrigens:
Wenn ich den ganzen Tag schniefend, schneuzend im Bett vor mich hin vegetiere, ist mir ein nebliges, wolkenverhangenes Wetter lieber als strahlender Sonnenschein während ich arbeite und nicht hinaus kann.
..der die Melodie deines Herzens kennt und sie Dir vorspielt, wenn Du sie vergessen hast.
(A. Einstein) Und nun weinst Du jeden Tag. Jeden Morgen. Und ich laufe davon. Diese Verantwortung kann man nicht einfach abstreifen, ablegen wie einen ausgedienten Mantel. Sie ist uns angebunden, fließt durch unsere Adern, als Teil von uns. Sie muss es ausbaden - jeden Tag. Jeden Morgen. Und kann doch genauso wenig dafür wie Du. Hätten, könnten, sollten. Ich kenne die Antwort nicht. Ebenso wenig das Ende. Dass das Jetzt und Hier nicht auf Ewig so bestehen kann, immerhin das weiß ich. Ihr seid es die daran zerbrechen. Wir höchstens die Zuschauer auf den vordersten Plätzen, welche die auf die Leinwand projezierten Bilder anschreien, in der Hoffnung deren Verlauf zu beeinflussen und sich am Ende des Filmes fragen, warum die Nebenakteure nicht mehr gegeben haben. Alles gegeben haben. Dabei schuldbewusst an sich herab blicken. Und während wir noch den Heimweg antreten schreiten wir über unsere eigenen Leichen hinweg. Wieder versinken Tränen im Kaffee neben dem frisch aufgetauten, altbackenen Brot. Wieder sitzen sich zwei Stühle gedankenverloren schweigend gegenüber. Du, schweigend vor Ängstlichkeit und Trauer. Sie, schweigend vor Kummer und Sorge - um Dich. Wir, die Vorderste-Reihe. Ein geschworener, köpfeschüttelnder Kreis aus Ratlosigkeit, Hilflosigkeit, Angst. Warst nicht Du es der uns stets Optimismus lehrte? Bist nicht Du eine Hälfte unseres Lebens, die uns mit einem so wundervollen Beginn beschenkte? Schweigend oder sprechend stehen wir hier, sind da. Und.. wenn Euer Optimismus versiegt ist, dann sollt ihr die Hälfte eines jeden von uns bekommen.
..und übrigens:
Verberge, was für anderer Augen nicht bestimmt ist. Blinzle durch die Dunkelheit hindurch nach Draußen und weiche zurück, weil ich sehe. Verstecke vor Scham und Schuldgefühlen das Gesicht erneut in meinen Händen.
Aber irgendwann hör ich sie wieder - die leise Melodie. Nie fort gewesen, nur eben leiser.
Und wieder da am Anfang von Allem und doch nur älter geworden. Und wieder da stagniert in einem endlosen Trott aus Müdigkeit und Antiebslosigkeit - und dabei wollt´ ich´s doch anders. Aber alles ist gleich, nur, dass ich dieses Mal von Beginn an Bescheid weiß, aber es macht keinen Unterschied. Ich versuch´s kaputt zu machen, bin nahe dran bin zu feige und kämpfe doch dagegen an - aber Du willst auch nicht hören. Dieses Spiel hat Regeln, Du willst sie nur nicht wahrhaben und ich vermutlich genauso wenig wie Du. Ignorant vor Selbstschutz. Bis Du erwachst und der Hass Dich zerfrisst. Ein gefährliches Spiel. Aber ich würde doch so gerne.. Und dann bin ich wieder am Anfang von Allem. Nur älter geworden.
..und übrigens:
Alter ist irrelevant, es sei denn, du bist eine Flasche Wein.
Und wieder einmal veranlasst die nächtliche Stimmung meine Wortgedanken dazu, deprimiert in einen Raum der schweigsamen Stille hinein zu flüstern, wo sie vom Putz der leeren Kalkwände als leise verhallendes Echo abprallen und in´s Dunkle entschwinden - als seien sie nie gesprochen, nie gedacht, nie existent gewesen. Wie der Schatten bedingt durch die Gunst der Sonne auf die Straßen gepinselt wird, so ist das Gemüt bedingt durch die in Dur oder Moll fließenden Klänge meiner Gedankenflüsse gezeichnet und zu dieser späten Stunde unter dem Flackern eines unruhig im Luftzug tänzelnden Kerzenlichtes neu ausgelegt. Ich brauche Luft, jetzt. Luft zum Beatmen meiner in der Stadtpest verwesenden Lungen. Himmel zum Spüren der Freiheit, der echten Freiheit. Weit weg, fern jeglicher Menschenseele und als Einzelgänger sämtlicher Seiten meiner selbst machtlos ausgeliefert. Gefährlich, erschreckend, befreiend. Ob das den Preis wert ist? Ist es möglich überhaupt, sich selbst zu finden? Sich zu sehen, zu verstehen? Das Sich fett unterstrichen und umrahmt mit rot! So oft nur das Schlecht gesehen. Der unverbesserliche Pessimist (gerne gepaart mit stolzer Unbelehrbarkeit). Doch behaupte ich, ist nie alles schlecht - und wenn nicht alles schlecht ist, so muss doch irgendetwas gut sein? Gut - oder zumindest nicht ganz so scheiße. Bevor meine Augenlider das Siegen der Nacht verkünden, hauche ich der noch immer vor mir tanzende Kerze das Leben aus. Wie sie ihre Schatten wirft, so kleidet sie das gesamte Zimmer aus. Dunkle Leere oder leere Dunkelheit - unbedeutend, schattenlos. Die Nacht herrscht vor. Kriegrische Kontrahentin des Tages, verhüllt in die Schattenschwingen des Mondes. Und ich starre weiter alleine Löcher in die tiefe Nacht hinein.
So viel Falschheit. So viel gespielte Inszenierung. Ich, ein Teil vom Ganzen, mitten drin. Abstand halten, Abstand nehmen, nur ganz, wie? Ich kenne einen der macht es richtig. Nicht immer okay, aber vollkommen ehrlich. Türen aufhalten, Hoffnung machen, fallenlassen - aus Angst oder Faulheit. Fast schon anmutig. Oder doch vielmehr anmaßend? Falschheit, so kennen wir´s, so mögen wir´s. Fein vorgeraspelt, durch die Presse gezogen und hinterher passiert. So muss man die zähe Wahrheit nicht mehr kauen. Schlucken was fertig angerichtet auf Goldtellern präsentiert serviert wird. Vorverdaut ist bald nicht mehr genug. Er macht es richtig. Nicht immer angenehm, aber immerhin ehrlich. Gespielt muss es sein. Erwartungen wünschen erfüllt zu werden. Durch und durch erstunken und erlogen. Da pressen wir uns eigenhändig noch mit Brech- und Stemmeisen in Rollen hinein die uns zwar um´s Verrecken nicht behagen... "aber ich muss doch, die denken doch sonst..." Unabhängigkeit? Freiheit? In gewissem Maße sind wir immer abhängig. Aber Künstler verändern Rollen, folgen als Akteure dem Ruf ihres Namens, sind Handelnde! Wir müssen es nicht für jeden angnehm machen, nicht für jeden richtig. Ehrlich muss es sein. Aufrichtig gegenüber jenen, die wir aus Angst, Faulheit oder aus welchen verkorksten Gründen auch immer von der oft bitteren Wahrheit verkrampft fernzuhalten versuchen. Und in erster Linie uns selbst.
(C.Baiker)
..und übrigens:
Gefunden zu werden bedeutet nicht sein Versteck aufgeben zu müssen. Es bedeutet vielmehr sich nicht mehr verstecken zu müssen.