Mittwoch, 27. Februar 2013

Hupen Sie ruhig...

..mein Radio ist lauter.

Als Polizist im blau-weißen Partybus durch die Straßen der Nation zu gurken stell ich mir ziemlich nervenaufreibend vor. Was üblicherweise unmittelbar nach dem Erspähen eines Straßenpaparazzi (auch bekannt unter dem Begriff: Blitzer) geschieht – nämlich das ruckartige Auf-die-Bremse-Treten, um somit eine Kettenreaktion aller nachfolgenden Kfz-Fahrer auszulösen die dazu führt, dass sich eine dickflüssige Bolognese aus bunten Blechkugeln mit Tempo 30 über den Teer schiebt – bedeutet für sie das routinierte Abbild ihres Alltags.
Sobald im Rückspiegel die reflektierende, silberne Aufschrift „POLIZEI“ entdeckt wird, heißt es: Bremspedal zum Anschlag durchdrücken bis das Metallstück unter der Karosserie beginnt lustige Funkenspuren auf der Straße zu ziehen und die vorgeschriebene Geschwindigkeit innerorts auf 35 km/h und außerorts auf gnadenlose 80 km/h reduzieren, da man um nichts auf der Welt den Anschein erwecken möchte, jemals ordnungswidrig gefahren zu sein.
Und das Tolle daran ist, dass der mit genervt durch die Nüstern schnaubenden Ordnungshütern gefüllte Partybus nicht einmal überholen kann, weil er das Tempolimit schließlich bei einem Überholmanöver nicht überschreiten darf und man mit 10-20 km/h wie beim Elefantenrennen* auf der Autobahn schlichtweg zu langsam wäre, um vor Eintreffen des Gegenverkehrs an dem Fahrer mit den plötzlich erworbenen genetischen Eigenschaften einer Schildkröte vorbei zu ziehen.

* Elefantenrennen = 2 LKWs die auf einer zweispurigen Schnellstraße mit dem sagenhaften Leistungsunterschied von 1nem km/h meinen, sich Millimeter für Millimeter aneinander vorbeidrücken zu müssen.

Ein jedes Mal ist unser pflichtbewusster Freund und Helfer somit dazu gezwungen, das Folgeorgan eines akkut verlangsamten Fahrzeuginsassen zu spielen, welcher zwischen Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und panischen Blicken in den Rückspiegel wechselnd sicher gehen will, dass der Beamte Verfolger weder blau rotierende Partybeleuchtung noch Sirene angeworfen – und es auch nicht auf das Päckchen Gras im Handschuhfach abgesehen hat.
Apropos Gras - ich bin mir ziemlich sicher, dass von jeglichem konfisziertem Gramm, höchstens ein heuchlerischer Prozentsatz das Polizeipräsidium erreicht. So nach dem Motto: „Gras ist böse, also lass es uns gemeinsam vernichten...“

Aber zurück zum Thema. Tun wir ausnahmsweise der lieben Potzilei und der Welt (die sich schließlich brav in der zähflüssige Bolognese hinten eingereiht befindet) einen Gefallen und gewöhnen uns ab, die Beamten dazu zu zwingen, durch unser schockbedingtes Auto-zum-beinahe-Stillstand-Bringen unseren Kofferraum knutschen zu müssen.
Sind doch auch nur Menschen.
Die meisten jedenfalls. 

..und übrigens:
Ein Zöllner zum Anderen: "Wir müssen heute mal wieder stärker kontrollieren, wir haben keine Zigaretten und keinen Kaffee mehr!"


Baby Benizn - Polizei schon schade

Montag, 18. Februar 2013

Im Leben geht es nicht darum zu warten, bis das Unwetter vorbei zieht..

 ..sondern zu lernen, im Regen zu tanzen.

Sanft streicheln die goldenen Sonnenstrahlen über ihre warmen Haare, während sie in das weiche grün der Wiese gebettet ihrem eigenen Atem lauscht. Ruhig, gleichmäßig. Einzelne sich an den Himmel verirrte Wolken ziehen gemächlich vorüber, schwimmen ihre Bahnen durch das Meer aus Blau, verschwinden wieder. 
Lächelnd gewährt sie ihren Träumen, ihr eine Welt aus Wärme und Geborgenheit zu zeigen, lässt sich getragen in den Händen des Lebens an fremde Orte entführen. Hier braucht sie sich keinen Fragen gegenüber zu stellen, deren Antworten ihr bereits vertraut sind. Hier existieren nur sie und die tröstlich über sie hinweg streifende Schönheit der Natur.
Es ist gut, alles ist okay.
Ein unglaubliches Gefühl der Sicherheit überkommt ihren vom Alltag zerfressenen Geist, glättet die von Sorgen geprägten, dünn auf ihre Stirn eingezeichneten Linien.

Ey Sam! Wir sind spät dran, komm schon beeil´ dich!“

Verwirrt schlägt sie die Augen auf. Wie lange liegt sie schon hier? Gehetzt schwingt sie ihre Beine von den frostüberzogenen Holzplanken der unbequemen Parkbank, klammert sich an die prallgefüllte Tasche aus löchrigem Kunstleder – erleichtert, dass wenigstens diese ihr noch nicht von der kalten Realität entrissen wurde – und läuft schnellen Schrittes hinter Fin her, zu dem unscheinbaren, grauen Haus am Ende des Parks. 
Unbeabsichtigt schweift ihr Blick über die alte Fassade, deren Putz bereits seit Jahren, Stück für Stück sein neues Zu Hause auf dem unebenen Trottoir findet. Ein wehmütiges Lächeln schleicht sich ihr auf die Lippen, als ihr die bitteren, metaphorischen Parallelen zu einem Leben bewusst werden, das sich nun schon seit langer Zeit das ihre zu nennen pflegt. 
Stück für Stück wurde auch sie, ihrer einst schützenden Mauern beraubt, durch die unbeirrbaren Klauen des Lebens..
Das grummelnde Geräusch unter ihrer Bauchdecke reißt sie unsanft aus ihren Gedanken und treibt sie zu der Hoffnung, doch noch rechtzeitig da zu sein. 
Wo sonst sollte sie ihren Hunger stillen? 
Ihren Hunger nach Freundlichkeit, nach Trost und Menschen, die entgegen ihrem Willen selbigem Schicksal ausgesetzt worden waren wie sie. Die trotz allem, ihr Lächeln versuchten zu teilen. 
Denn was blieb ihr weiter noch als dieses – und einer braunen vollgepackten Tasche aus löchrigem Kunstleder.

..und übrigens:
Ein reicher Mann ist oft nur ein armer Mann mit sehr viel Geld.
(Aristoteles Onassis)


Thunder - Low Life in high Places

Lyrics:
Tears of the Victims

Verse1:
Forgotten souls
Never needed by anyone
Love has gone

No escape
There´s a never ending chain
Lost their aim

Chorus:
There´s no hope
There´s no dream
Nobody wanna hear them scream
Livin´ on the shadow-side of life

There´s no trust
There´s no light
Everyday´s a never ending fight
Livin´on the shadow-side of life

Verse2:
No way out
There´s no alternative to choose
That they could use

The worst case
Don´t u think that it´s your fault, too
Where they have to go through

Bridge:
They´ve no chance
No place to go
You say you don´t know
Why the f*ck they feel so low

The state denies the life of them
Is it fair?
Is that fair?

Chorus:
There´s no hope
There´s no dream
Nobody wanna hear them scream
Livin´ on the shadow-side of life

There´s no trust
There´s no light
Everyday´s a never ending fight
Livin´on the shadow-side of life

Montag, 11. Februar 2013

Die Dinge vor denen man Angst hat..

 ..sind meist die Lohnenswertesten.

Grenzen. Oh nein, das böse Wort ist gefallen! Vor Schreck geöffnete Münder, furchtvoll starrende Augen und Botenstoffe die sich wie Tarzan von Synapse zu Synapse schwingen um dem Körper schnellstmöglich den Befehl zu übermitteln: „Lauf Schlampe, Lauf!“
Aber was genau stellt man sich unter Grenzen eigentlich vor?

„und von drinnen betrachtet ist der Sturm nur ein paar Tropfen aneinander gereiht“ (Frittenbude – Einfach nicht leicht)

Betrachtet man die Grenze als nicht statisch, als eine Ansammlung vieler, kleiner Hürden welche erst Bauklötzchen-ähnlich aufgetürmt zusammen ein Ganzes ergeben.. Ist es dann nur dieses erschaffene Ganze, das derart respekteinflößend auf uns wirkt und uns mit eingezogenem Schwanz beschämt den Rückzug antreten lässt?

Grenzen tauchen überall auf. Zwischen den chaotisch verstreuten Lernblättern für eine anstehende Prüfung; unter den sich unsicher voran tastenden Füßen jemandes der abzuschätzen versucht, ob ihn seine Sprungkraft von einer zur anderen Seite der Klippe über den meeresrauschenden Abgrund trägt; zwischen dem gedanklichen Zwiespalt, jemandem seine wahren Gefühle anzuvertrauen und dadurch Verwundbarkeit zu zeigen oder auf Nummer Sicher zu gehen und weiterhin den Starken zu mimen während einen die Worte von innen heraus zerfressen; oder schlicht und einfach auf dem Kleiderstapel in Form einer Spinne die laut Natur zwar weder ausreichend lange Beißerchen, noch den Wille dazu besitzt, uns umzubringen – laut Kopfkino es jedoch unweigerlich auf unseren Tod abgesehen hat.

Da gibt es Grenzen die andere für uns festlegen, Grenzen die wir selbst (meinen zu) sehen, Grenzen die einfach irgendwann da waren ohne dass irgendwer ihr Kommen bemerkt hätte.
Doch wo steht geschrieben, dass Grenzen böse, unüberwindbar und – wie die Geschichte der Kirche es für ihre Dogmen schließlich ebenfalls Jahrtausende über beschlossen hat – unhinterfragbar seien? Zum Einen ist es ein Leichtes, sich hinter dieser pessimistischen Aussage zu verstecken. So kann man sich zumindest das eigene Denken sparen. „Grenze? Wie, was? Neeeein bin weg!“ Und die nächsten Tage wirst du deinen Kopf einen Meter tief im Sand vergraben müssen um mit der verschreckten Person sprechen zu können.
Da auf ein „Zum Einen“ meist ein „Zum Anderen“ folgt: wie klänge denn die Option, den im Sand versenkten Kopf bereits ein paar Tage früher aus seiner grobkörnigen Umgebung zu ernten um stattdessen die sog. Grenze in ihre einzelnen Bauteile zu zerlegen und somit die einst furchteinflößende Aura in kleine weniger furchteinflößende Bauklötze zu verwandeln? Schließlich haben wir das im Kindergarten anhand von Lego- und Duplo-Sets zu Haufen geübt.


„Die meisten Menschen verbringen ihr Leben damit, sich immerzu zu fragen „was wäre wenn?“. Sie suchen nach Gründen warum dies oder jenes nicht funktionieren kann.

 Film „Mavericks – Lebe deinen Traum“)
Weshalb wohl existiert der Spruch: „Regeln sind da um gebrochen zu werden!“? Weil einer da war, der es getan hat. Warum sonst sollte jemand eine These wie diese von sich geben?
Eine Zeitreise zurück durch die geschichtliche Evolution der Welt lässt uns kurz nach der Erfindung der Menschheit stranden, wo wir in folgendes Szenario hinein platzen:
haariges Steinzeitmensch sieht Feuer. Feuer macht Aua, soweit ist er bereits. Angst, Panik, Wut.
Aber dann geschieht das Unfassbare: er überwindet seine panische Angst und geht näher an dieses seltsam, heiße Zeug ran, erkundet es (Schmeißt ein Schnitzel rein oder so) und nach einer Weile drängen sich viele, viele haarige Steinzeitmenschen um das Feuer herum, weil sich einfach sonst noch keiner zuvor getraut hatte diese Grenze bestehend aus Angst vor dem Ungewissen, schlechter Vorerfahrungen oder Entmutigungen anderer zu überschreiten.
Die Folgen für unser Zeitalter wären nicht auszudenken! Unter Anderem müssten wir unser Schnitzel wohl noch immer roh verzehren..

Es wäre nicht richtig nun zu behaupten: „Grenzen sind da um überschritten zu werden!“ Denn schließlich gibt es einige durchaus sinnstiftende unter ihnen. Doch abgesehen dieser, nehmt euch das haarige Steinzeitmensch zum Vorbild und testet aus was ihr bislang für unmöglich gehalten – von was ihr euch stets distanziert habt aus vielleicht sogar selbigen Gründen wie einst unser liebes Steinzeitmensch Zeiten vor uns.

Keiner sagt, dass es einfach ist – aber es sagt auch keiner, dass es unmöglich sei.

..und übrigens:
"Damit das Mögliche entstehe, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden."
(Hermann Hesse, Zehn Briefe an Wilhelm Gundert)

 Fist - Limit
 

Dienstag, 5. Februar 2013

Noch sind wir zwar keine gefährdete Art..

 ..aber es ist nicht so, dass wir nicht oft genug versucht hätten, eine zu werden.

Widerwillig öffnet Nejal seine von zarten Wimpern umrahmten, dunklen Augen und sein erster Blick fällt auf die am Fußboden liegende Wanduhr. Sie ist noch immer da. Gebettet auf ihrem eigenen Häufchen zersplitterten Glases liegt sie nun schon dort, seit seine Mutter sie in einem Anflug an auflebender Hilflosigkeit, zornig und mit letzten gesammelten Kräften dorthin verbannte. Unaufhörlich drängt sich ihm seither das Bild dieser schluchzenden Gestalt auf, die neben dem kleinen Wohnzimmertisch zusammengekauert auf dem verblichenen Teppich kniet, verzweifelt die Zeiger anschreiend, schneller zu kreisen.

Ablenkung suchend schleicht er mit ein paar Schritten zur vernagelten Türe und blinzelt schüchtern den staubigen Sonnenstrahlen entgegen, welche sich trotzig ihren Weg durch die löchrigen Bretter gesucht haben.

Das bisschen Holz würde sie nicht schützen können, hatte sein älterer Bruder zu ihm gemeint, bevor er den rostigen Revolver aus der Nachttischschublade des Vaters kramte und im aufgewirbelten Sand der tobenden Straßen verschwand. Genau wie sein Vater - drei Jahre zuvor.

Vieles hatte sich seitdem verändert. Die einst so prächtig leuchtenden Farben duftender Blumenbeete, durchzog nun ein trostloser Schatten aus welkem Braun. Die damals von zufrieden gurrenden Tauben besetzten Dächer ragten nur noch vereinzelt, vernarbt und von der Vergangenheit gezeichnet gen Himmel empor – und auch dieser war in den letzten Tagen gerade einmal schemenhaft zu erahnen gewesen.

Durch die ausgestorbenen Straßen hallt das Echo der Gegenwart. Prallt von den Häuserdächern ab, um sich durch die rissigen Barrikaden hindurch bis ins Innerste eines jeden Raumes vor zu drängen. Ein jedes Mal wenn das heisere Lied der Sirenen zu spielen beginnt; ein jedes Mal, wenn die verängstigten Familien in einer Ecke zusammengepfärcht das grollende Beben des Erdbodens zu spüren erwarten; ein jedes Mal wenn auf dieses bedrohliche Beben hin die klagenden Schreie aus der immer näher schreitenden Ferne zu ihnen vordringen.

Ein jedes Mal dann, schweift der Blick des Jungen zu dieser Uhr ab. Stillstehend in der Zeit, auf dem Haufen ihrer eigenen Scherben gebettet, tot.

Wie lange noch wird sie dort liegen, um sie schmerzhaft daran zu erinnern, dass wenn Herzen erst aufgehört haben zu schlagen, es sinnlos ist, weiterhin nach neu verronnener Zeit zu fragen. Denn es hört nicht so schnell auf. Die Zeit schließt keine Kompromisse. Die Zeit verhandelt nicht. Und die Zeit nimmt keine Rücksicht – ebenso der Krieg.

..und übrigens:
Ich kann mir noch so lange einreden, dass es Blumen sind durch die ich schreite – am Ende sind nicht sie es, die den darauf spielenden Kindern blutig ihre Illusionen eines je wieder eintretenden, normalen Lebens zerreißen.



Greenday - Wake me up when September ends

Freitag, 1. Februar 2013

"Das Leben ist ein Risiko..

..mehr Risiko kann auch mehr Leben bedeuten." (Ibsen)

..die Frage nach dem „Warum?“
  1. Der Stolz sich getraut - und seinen inneren Schweinehund in seiner Schweinehundehütte einbetoniert zurückgelassen zu haben.
  1. Das berauschende Gefühl zu leben und nicht im Alltag dahin zu vegetieren.

Manchmal muss man sich in Lebenslagen begeben in denen man sich selbst auf extreme oder außergewöhnliche Weise spürt.

Ob man aus 4000 Höhenmeter mit weit von sich gespreizten Armen und Beinen aus einem Kleinflugzeug der Erde entgegen springt und dabei den Wind mit 200 km/h an sich vorbeirauschen fühlt;
ob man an der Felswand hängend, jegliche Muskelpartien konzentriert angespannt, sich auf den waghalsigen Griff zum nächsten Felsvorsprung vorbereitet, während seine mit Magnesium bestäubten Fingerspitzen sich noch in das bröckelige Gestein krallen;
ob man, die in Leder oder Kunststoff verpackten Schenkel fest an die Seiten des erhitzten Motorrads gepresst, in Sekundenschnelle die zu riskierende Geschwindigkeit abwägt mit der man sich und seine Maschine in die Schräglage schiebt, sodass der raue Asphalt der Serpentine verschwommen im faustbreiten Abstand am Helmvisier vorbeizieht;
ob man sich abseits der vielbefahrenen Loipe auf die ungewisse Suche nach DER perfekten Firstline begibt und sich dabei gekonnt, präzise zwischen Tannen und Felsbrocken hindurch manövriert, bis man mit immer spürbarer werdenden Waden, atemlos und erhitzt durch das ständige Wechselspiel aus Backside / Frontside – Gekurve in die glitzernde Weite aus unbenutzen Schneemassen blickt.
Oder – letztes Beispiel, Ehrenwort! - ob man sich kostenspielig bis nach England verfrachten lässt, um sich dort mit tausenden von Gleichgesinnten durch einen der härtesten Extrem-Cross-Läufen der Welt zu quälen und danach zitternd und schlammverkrustet behaupten zu können „ich habe bis zum Ende durchgehalten!“.

Dieses aktiv geleitete Erspüren unserer Grenzen und das Überschreiten unserer bisher vielleicht für unverrückbar gehaltener Grenzen, bewirken ein innerliches Umdenken wodurch uns vor Augen geführt und bewusst gemacht wird, dass wir noch viel mehr von uns und unserem Leben erwarten und fordern können.
Man ist nicht gleich lebensmüde allein aufgrund des Wunsches bestimmte Risiken einzugehen, von welchen wir uns erhoffen, ein kleines, neues Fünkchen Lebensfreude in uns verspüren zu dürfen. Es ist nicht einmal eine in ihrem Ausmaß besonders gigantische Stichflamme vonnöten. Bereits ein minimales Funkengebilde reicht aus, um sich in Form neuer elektrisierender Energie, wie ein Lagerfeuer in dem von Monotonie und Stereotypie gefangen gehaltenen Körper und Geist auszubreiten und dort jegliche Gleichgültigkeit und Beklemmung über Bord zu schmeißen. Manchmal müssen wir selbst uns eben neu zum Leben erwecken und das erfordert nunmal das Eingehen bestimmter Risiken. Das Leben ist so oder so lebensgefährlich!
Selbst wenn dieser im Erfolg des Risiko schwelgende Moment ebenso vergänglich wie der Weltfrieden ist, reicht er doch aus um für kurze oder auch längere Zeit aufatmen, die vom gängigen Alltagstrott nach unten gekleisterten Mundwinkel nach oben zu biegen und erhobenen Hauptes gen neuer aufregender Lebensqualität schreiten zu können.

Erik Weihenmayer schreibt in der Adversity Advantage (New York 2010): "Zu oft lassen wir uns von unseren Ängsten lähmen und daran hindern, unser Potenzial auszuschöpfen. Wir gehen auf Nummer sicher und erfahren so nie, wozu wir fähig sind."
..und übrigens:
Das Leben ist scheiße -
so verflucht scheiße schön!
(Josephine – Hier sein)

 
Madsen - Du schreibst Geschichte
 

Donnerstag, 31. Januar 2013

"Niemand weiß wie weit seine Kräfte gehen..

 .. bis er sie versucht hat." (Goethe)

Lustig, wie schnell man vergessen, wie schnell man verdrängen kann.
Gut, Letzteres trifft es wohl eher auf den Punkt. Weshalb sonst sollte jemand sich freiwillig immer wieder von Neuem auf etwas so absurd Klingendes und sich in der Umsetzung noch viel absurder Gestaltendes einlassen? Die Rede ist nicht von Tattoos, welche zwar ebenfalls noch immer – wenn auch an Häufigkeit abnehmend – die Köpfe manch eines zum fassungslosen Schütteln bewegen. Nein, ich spreche von sogenannten Extrem-Crossläufen. Noch nie gehört? Wird seinen Grund haben.

Man nehme 4-5 Tausend laufwütige Sportler, schraube die Temperatur auf das Niedrigste herunter und jage sie dann 15-20 km durch einen Parkour aus zähflüssigem Dreck, Kohlenmono- und dioxid in die zuhöchst darüber erfreuten Lungen pressenden, qualmenden Feuer, mit Gehirnfrost garantierenden Eisschollen bestückte Wasserhindernisse, ca. 40cm über dem Boden gespannten Stacheldraht, in luftige Höhe aufragende Holz- und Seilkonstruktionen, mit Stromschläge austeilenden Schnüren und Holzbalken behängte Dunkelkammern und ähnliche Spaß versprechende militärische Freudenbereiter.
Was könnte es Schöneres geben?

Ich muss dazu sagen, dass nach einer bestimmten Anzahl passierter Wasserhindernisse mit Glück sämtliche Schmerzreize der Füße bereits nicht mehr das dafür zuständige Gehirnareal erreichen, die von Eisschollen und Steinen zerkratzten Schienbeine kaum noch registriert werden und das austretende Blut sich so oder so mit den Tonnen am Körper haftenden Schlammbrocken vermischen. Vor den Wadenkrämpfen hat man meist bis zum zweiten Drittel der Strecke noch seine Ruhe, bis sie einen dann urplötzlich gen Ende zu überkommen, ins Straucheln bringen und sich hartnäckig in die strapazierten Muskelfasern krallen. Dass man von den Stiefeln seiner Mitstreiter ausversehen (so hoffe ich zumindest) getreten wird, kommt nicht ständig – jedoch auch nicht selten vor, macht aber zumindest für einen kurzen Moment wieder wach bzw. reißt einen aus der Trance heraus, in die man während der ganzen Tortur oftmals verfällt.
Nach 1 ½ – 5 Stunden robbt man dann erschöpft, unterkühlt, zerschrammt und eingeschlammt ins Ziel und bekommt einen Plastikbecher heißen Kakao in die Hände gedrückt, von dem über die Hälfte gleich wieder auf den Boden wandern (die andere Hälfte in´s Gesicht), da man dermaßen unkontrolliert zittert, dass es schon eine enorme Herausforderung darstellt, den Plastikbecher nicht zwischen den tauben Händen zu zerquetschen. Aber wir lieben ja schließlich die Herausforderung.
Da die Identifikation des Läufers zu diesem Zeitpunkt durch die sorgfältig verteilte Schlammkruste für gewöhnlich ein Ding der Unmöglichkeit darstellt, wird nun erstmal (nach inzwischen völligem Verschütten des Kakaos) unter den aus aufgehängten Schläuchen austretenden Wasserrinnsalen eine „Dusche“ genommen – selbstverständlich ebenfalls eiskalt.
Und das alles für sagenhafte 80€ – 100€ Anmeldegebühr! Was ein Schnäppchen!

Wer sich nach genau solch einem freudigen Spektakel sehnt, sollte den ToughGuy™ in England keinenfalls versäumen, auf seiner To-Do Liste für´s Leben zu platzieren.
Das Faszinierende an der ganzen Geschichte ist ja, dass man sich kurz nach Erreichen des Ziels, wenn schmerzhaft das Blut beginnt sich in den nahezu gefühlstoten Zehen und Finger wieder zu melden, ein jedes Mal fragt, weshalb in Gottes Namen man sich nur auf etwas Derartiges einlassen konnte? Man schwört seinem geschundenen Körper hoch und heilig ihm nie wieder solchen Strapazen freiwillig auszusetzen. Und bereits zwei Monate später steht man bereits siegessicher vor der nächsten Startlinie.
Erklären kann ich mir das nur durch die selektive Ignoranz meines Gehirns. Dieses aktive Verdrängen bewirkt, dass ich ganz und gar die quälenden Anstrengungen zu verdrängen lerne und nur noch die Euphorie, die Medaille (an einem einfachen Plastikbändchen baumelnd, wohlbemerkt) und den Stolz darüber durchgehalten und überlebt zu haben, vor Augen habe.

 ..und übrigens:
 "Ich will keine normalen Menschen. Ich will die kaputten mit Charakter und Geschichte dahinter..."
(Zitat: Michael Kalinowski, Getting Tough e.V.)


Tough Guy Race 2013

Montag, 21. Januar 2013

denn wer es nie wagt..

..der hat bereits verloren.

Bloß nicht einschüchtern lassen, nicht deprimieren lassen, everything´s gonna be alright!

Der Plan war gut, nur an der Umsetzung scheiterte es etwas. Etwas sehr.
Meine Ansprüche bei meiner Zimmersuche - die ich nun bereits seit einigen Monaten mein Hobby nennen darf - in dieser studentenübersiedelten Stadt, sind wirklich nicht besonders hoch (ich entstamme einem 7qm Zimmer welches vor meiner Zeit als Besen- und Abstellkammer diente) aber vielleicht sollte ich mich einfachkeitshalber doch schon mal nach einem lauschigen Plätzchen unter einer Brücke umsehen – falls diese nicht ebenfalls schon restlos verpachtet und vermietet sein sollte.
Ich könnte mich auch einfach wehleidig, mit am Boden schleifenden Schultern in eine der Düsternis meiner leidenden Seele ähnelnden Ecke verkriechen, mich hysterisch hin- und her wiegen und typische Frasen kläglich von mir geben wie: „wieso immer ich?“, „oh du mein grausames Schicksal, was habe ich dir getan?“..usw. um zu belegen, dass Gott mit seinem Scheiß-Tag-Finger seit Wochen nur auf mich zeigt.
Könnte ich machen, ja.
Doch dafür bietet sich mir nicht die Chance, denn da öffnet sich die Kühlschranktüre und zielstrebig taucht ein kleines vor sich her brabbelndes grünes Wesen – nennen wir es mal Horst – auf, wackelt mit zügigen Schritten auf mich zu und brät mir mit seinem hinter dem Rücken hervorgezauberten Styroporhammer kräftig eins über.
Empört luge ich durch meine reflexartig zum Schutz vor evtl. nachfolgenden Hieben, über den Kopf geworfenen Arme hindurch und frage den kleinen, grünen Horst mit Styroporhammer was der Scheiß soll. Grimmig hält es meinem vorwurfsvollem Blick stand, sabbert ein wenig durch seine drei Zahnlücken hindurch auf meinen Fußboden und überreicht mir zaghaft den Hammer. Und puff ist der grüne Horst in einer Rauchwolke aus Schwefelgeruch und Nebelschwaden auch schon wieder hinter der Kühlschranktür verschwunden.
Was zur Hölle...?! Ungläubig starre ich auf den am Boden zurückgebliebenen Sabberfleck bevor ich mich aus meiner Starre befreie und etwas ausführlicher beginne, den Gegenstand in meinen Händen zu inspizieren, der die freundliche Aufschrift „Halt´s Maul“ trägt. 
Ich bin erstaunt, verwundert, wütend, ziemlich sauer, bis ich zu dem Schluss komme: der kleine, frisch auf den seriösen Namen Horst getaufte Scheißkerl hat Recht! Gut, mir verbleiben nur noch knappe 4 Wochen um einen günstigen Unterschlupf, vorzugsweise mit Dach und Haustüre, aufzustöbern und bisher hagelte es ausschließlich Absagen. Äußerst motivierend. Aber dann heißt es eben Arschbacken zusammenkneifen, nervig penetrante, pessimistische Stimmchen mitsamt Behausung aus der Ohrmuschel herausziehen und vernichten und anstatt mit halbleerem, mit halb vollem Glas zu neuen Eroberungen aufbrechen (also nur metaphorisch versteht sich).
Aufgeben steht nicht zur Option und wenn es auch noch so nervenaufreibend ist (oh ja ich bin gereizt!) dann versuche ich es zumindest schon allein deshalb weiter, um nicht nochmal vom sabbernden Horst eins mit seinem (nun meinem, wenn grüner Horst nicht gerade eine ganze Vorratskammer davon besitzt) „Halt´s Maul“-Styroporhammer übergesemmelt zu bekommen. Es gibt wirklich existentiell schwerwiegendere Probleme! 
Mir dahingegen verbleibt noch eine kleine Gnadenfrist bevor ich mich – dann berechtigterweise - mit angezogenen Armen und Beinen mit Deprivationssyndromsymptomen (nettes Wort, auch wenn es heutzutage Hospitation genannt wird und eigentlich gar nicht auf meine Situation zutrifft) in einer Ecke meines 7qm Zimmers verkrieche, darauf hoffend den Start in mein neues Leben nicht glorreich als Obdachlose beginnen zu müssen.

Hier noch ein Buchtipp um die Schleichwerbung mal wieder ein wenig zu fördern: 
Homeless von Brianna Karp
 ..und übrigens:
Das Geheimnis eines glücklichen Lebens:
Sinn für Humor und ein
schlechtes Gedächtnis!

 Crossfade - No Giving Up

Dienstag, 15. Januar 2013

Wer bis zum Hals in der Scheiße steckt..

..der sollte den Kopf nicht hängen lassen.

In was für einer abgedroschenen Welt leben wir eigentlich? Bunt bestückt mit allerlei Problemen deren Lösungen sich wie damals bei mir im Mathematik Unterricht bereits während des ersten Betrachtens spurlos und auf nimmer wiedersehen grußlos aus dem Staub gemacht hatten. Und sollte aus Gott weiß welchem ersichtlichen Grund zufällig doch einmal die Lösung des Problems (nur eines davon, schließlich gibt es ja noch genug weitere davon) aufgetrieben worden sein, so lauern an der nächstbesten Ecke bereits zwei neue Exemplare der Kategorie „Sorgenbereiter“.
Oh du grausame Welt, schmeißt mich vom Regen in den Stausee und gönnst mir weder Spatz in der Hand, noch diese dämliche Taube auf dem Dach. Und selbstverständlich ist es stets meine Wenigkeit an der du deinen Galgenhumor gekonnt auszuleben weißt.

So oder ähnlich denkt zumindest ein großer Teil der Bevölkerung. Gnadenloses pessimistisch und überaus bemüht darin, diese Einstellung auf jeden Fall beizubehalten.
Aber wieso denn? Klar, ein gewisser Prozentsatz an realistischer Denkweise sollte stets vorhanden sein und der bloße Optimist landet am Ende seines Höhenflugs auch irgendwann einmal auf dem Boden der Tatsachen (zwar mit einem Grinsen, aber dennoch ist die Landung nicht unbedingt weich) aber muss denn bei jedem Streit, jedem dicken Schädel und jeder Tasse deren Henkel abkrachte (oh nein!) gleich die Welt ihrem Untergang geweiht sein? Deshalb fliegen doch nicht sofort die Apokalyptischen Reiter vom Himmel um diese unglaublich grauenvolle Welt von ihrer schrecklichen Trostlosigkeit zu erlösen.

Leute, es geht viel einfacher.
Dinge geschehen nun mal auch wenn sie einem gerade nicht (oder nie) in den Kram passen mögen. Was nutzt es uns sich noch Tage später darüber aufzuregen? Wenn es sich so oder so nicht mehr rückgängig machen oder ändern lässt, dann hilft doch auch das kreativste Gefluche und die ausdauerndste Präsentation der Tränendrüsen nichts. Die Sorgenfalten bohren sich nur tiefer in die Stirn, graue Haarsträhnen sprießen vereinzelt als leuchtende Vorboten des alternden biologischen Rhythmus auf dem Haupte und das Umfeld hat nach kurz daher geheuchelter Mitleidstour ebenfalls die Nase voll von unserem Problem. Die Zeit wird sich nicht per Mausklick zurückspulen lassen, trotz des modernen Zeitalters in dem wir leben. Vielmehr heißt es nun: Kopf aus dem Sand ziehen und verdammt nochmal weiter leben, denn das ist ja das Geniale: das Leben geht weiter!
Sind wir nicht selbst schuld daran, wenn wir uns aufregen? Auf keinen Fall werde ich bestreiten, dass wir nicht manchmal (oder eben öfter) allen Grund dazu hätten, es zu tun, aber tun wir uns damit denn einen Gefallen? Nein! Wird die Dimension des Problems dadurch schrumpfen? Nein! Weshalb also unnötig lange noch damit beschäftigen, damit auch ja jede einzelne Fuge des Gehirns auf „Depressiv“ schalten kann? Wenn es keine Lösung gibt dann fang wenigstens endlich damit an, eine Strategie zusammen zu tüfteln, wie zumindest die Gedanken an das Problem effektiv aus dem Gehirnareal vertrieben werden können und wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, dann frag bloß nicht nach Tequila und Salz, sondern klatsch sie ganz einfach an die Wand und hör auf damit, dich und deine Freunde mit Spirituosen abzufüllen, denn Alkohol verstärkt ja bekanntlich die präsente Gefühlslage. Naja und manchmal muss man einer Person oder dem Alltag einfach lernen zu verzeihen, ganz gleich ob man nun später darüber lachen kann oder nicht.

..und übrigens:
Wir schwelgen zu sehr in der Vergangenheit, haben Angst vor der Zukunft und vergessen dabei völlig, die Gegenwart zu genießen.

Itchy Poopzkid - Why still bother?

Montag, 14. Januar 2013

Hinfalln´, Aufstehn´,...

...Krone richten, Weitergehn´.

Nachdem ich fürsorglich das zuvor in meiner Fressluke gut durchschleuderte Zahnputzwasser über die – wie sollte es anders sein – in´s Waschbecken hängenden Kopfhörer (ja da gehören sie hin..) gespuckt hatte, konnte der Tag nur großartig werden. Auch mein beinahe zum allmorgendlichen Ritual verwachsenes über-in-der-Gegend-verstreute-nutzlose-Gegenstände-Gestolpere (was z.B. hat die verdammte Ikea Blumenvase auf dem Küchenfußboden zu suchen?) durfte ich mir selbstverständlich aufgrund der göttlichen Freude welches es mir stets bereitet, keineswegs entgehen lassen. Noch schnell auf dem gefrorenen Putzwasser ausrutschen das ich gestern in einem kurzen Anschwung an Putzfreude gedankenlos über die Eingangsstufen gekippt hatte (gefrorene Fussel sehen von Nahem betrachtet seltsam interessant aus, fast so faszinierend wie ein Stuhl..) und dann zügig mit verdrehter, mehr übergeschmissener statt angezogener Jacke zum Bus hechten.
Ich wollte diesen Bus unbedingt. Er mich nicht. Dumm.
Für spontane Planänderungen bin ich normalerweise gern zu begeistern werden aus der Spontaneität heraus schließlich meist die besten Ideen geboren..nur nicht um 6.00 Uhr in der Frühe.

Kurzer Zeitsprung in der Erzählung

Mit Boardbag und am Rucksack baumelndem Helm an den leicht (Untertreibung) verärgert drein blickenden Zugpassagieren aus dem Abteil gequetscht, führten meine in ausgelatschten, frischluftfanatischen ( = bis zum Boden hin durchlöcherten) Schlappen steckenden Füße mich auf direktem Weg natürlich erst einmal zur Bahnhofsbäckerei um meinen sich noch im Tiefschlaf befindenden Körper mit einem Café-to-go (extralarge!) wieder zu beleben.
Half nicht viel, denn die doppelte Stufe am Haus des Freundes nahm ich mit solch euphorischem Schwung, dass die eine Hälfte des Kaffees auf dem verschneiten Asphalt- und die andere auf meinem kürzlich erst sauber geschrubbten Jackenärmel landete. Das kam allerdings später, denn zuvor musste ich erst noch das – wenigstens durch die Boardtasche gepolsterte – Board gegen das dunkelblau lackierte Vehikel des Freundes donnern. Fast ebenso schwungvoll wie ich den Kaffee danach, spendabel wie ich bin, mit meiner Umwelt geteilt hatte. Ich könnte eventuell darüber nachdenken meine Augen während dem Laufen zu öffnen. Was ´ne Idee. Nobelpreisverdächtig.
So kämen auch meine „Schatten der Taten“ aka Augenränder besser zur Geltung.
Und was für tolle Ringe das sind! Blaulila mit einem feinen Rotstich darin der beinahe so schön wie die sanfte Morgenröte über den Weiten des Ozeans zu betrachten ist (hey, ich sagte doch beinahe..)

Was mich im Skigebiet angekommen dann schlussendlich wirklich zum Zweifeln an meinem Wachheitszustand veranlasste war die – ich gebe zu, etwas zeitmäßig danebenliegende – Feststellung, dass die für´s Boarden doch ab und an ganz hilfreichen Boots kurzerhand beschlossen hatten, heute einmal einen Ruhetag einzulegen und es sich 1 ½ Stunden zurückliegende Fahrt entfernt, vor meiner Zimmertüre bequem zu machen. Ohne mich. Lag natürlich nicht daran, dass ich eventuell machmal etwas kopflos durch die Gegend renne. Nein.
10 hart verdiente Euro ließ ich deshalb dafür liegen um mir – schmerzgeil wie ich nunmal bin – Leihboots zu besorgen die mir nach zwei, drei Abfahrten das angenehme Gefühl verliehen, meine Zehennägel hätten sich in einem urplötzlichen Wachstumsschub in kunstvoll gebogener Form direkt in mein eigenes Fleisch zurück gebohrt. Zwei weitere Abfahrten und den ein oder anderen Gesichtsschneepflug später, konnte ich so oder so nur noch erahnen, dass dort an jener Stelle an der ich all die Jahre zuvor gewohnt war meine Zehen anzutreffen, einmal Blut seine Bahnen geschwommen war. Umso aufrichtiger wusste ich meine Freude dann auszudrücken, als ich am Ende des Tages mich aus diesen etwas zu kuschelbedürftigen Boots befreien konnte und feststellte, dass entgegen aller Erwartungen meine Füße noch nicht abgestorben waren (wenn auch deren Geruch ein ziemlich eindeutiges Indiz darauf gewesen wären). Lebt meine kleinen Füßlein, lebt!

..und übrigens:
„Die mit Türmen an Salz belagerte Frühstücksseele von ihrer salzigen Belagerung zu befreien ist ungefähr so meditativ wie der morgendliche Gang auf die Toilette.“


Planlos - Chaos


Samstag, 5. Januar 2013

Alle sagten: "Das geht nicht."..

..Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat es gemacht.

Um 1.°° Uhr mittags (also tief in der Nacht) reißt mein grelltöniger Wecker seine überdimensional große Klappe auf und meint mich mit engelsgleichem Geschrei liebevoll (oder so ähnlich) aus meinem gerade erst spannend gewordenen Traum heraus katapultieren zu müssen. Auf Samthänden sieht anders aus, mein Lieber! Dieser Quälgeist von Wecker geht doch immer zuverlässig und akkurat dann runter, wenn man in sein gerade erstandenes Röstschnitzel-Sahne-Bier-Eis beißen will (jawoll, Eiskugeln werden abgebissen, nicht geschlotzt..kommt mehr mit), man mit seiner zufällig im Straßengraben gefundenen Les Paul begonnen hat DAS perfekte Solo auf den selbstverständlich keineswegs ledierten E-Saiten zu schreddern oder dazu angelegt hat DEN perfekten Backflip mit zehnfacher Drehung, mit dem an seine Stampfer geklebten Brett über einen atemberaubend hohen Kicker hinzulegen während - wie könnte es anders sein - sämtliche gehasste Menschen mit zutiefst beeindruckten Blicken den waghalsigen Sprung verfolgen.
Hallo Welt, ich bin wach und du hast mir soeben meine Traumwelt versaut. Wünsche angenehmen Morgen!

Aber ich will mich nu ja nicht beklagen, schließlich kann die Wirklichkeit mindestens genauso, wenn nicht sogar vielmals besser als die Gedankenwelt sein, in welche wir früher oder später und nach kurzem oder längerem auf der durchgelegenen Matzratze (heute Nacht raunte meinem Allerwertesten unerwartet frech eine nackte Matratzenfeder ein "servus, du auch hier?" zu)  Umhergerolle & nach dem Schließen unserer Augenlider abzudriften gewohnt sind. Es kann doch alles nahezu 1:1 in die Realität umgesetzt und verwirklicht werden. Ist nur für gewöhnlich mit "etwas" mehr Anstrengungen verbunden. An der Umsetzung hapert es dann oft nur deshalb (man kann es sich zumindest einreden) weil der menschliche Verstand klar und deutlich signalisiert, dass die angepeilte Verwirklichung des Geträumten neonrot blinkend (wie die Leuchtreklame von Coca Cola) in die geistige Schublade der Kategorie "surreal" gestopft wird. 
"Ich würde ja wirklich und wahrhaftig ALLES dafür geben und tun und machen und aufgeben und anfangen et cetera..aber wenn das neonrote Leuchtschild nunmal verstaut ist, dann ist es eben verstaut, Ende der Diskusion!"
Oder vielleicht doch eher á la:
"Lass mich in Ruhe, geh weg, du bist mir zu utopisch....ich könnte ja dazu gezwungen sein aufzustehen, nene lass mal lieber, ich habe gerade die Couch so gut eingesessen. Das war Anstrengung genug!"
Ich gehe mal davon aus, dass Letzteres ein wenig mehr Körnchen Wahrheit (oder heißt es Fünkchen? Na ist ja auch egal!) enthält. Aber so sind wir nunmal. Neigen ständig dazu uns über den ach so erlebnislosen, tristen Alltag auszukotzen, sind dabei aber stets streng darauf bedacht nur keine unnötige Muskelanspannung zu betätigen. Könnte ja tödlich sein, wie?

Und noch während ich diese Zeilen hier schreibe schweifen meine Gedanken zu der nackten Matratzenfeder ab, (inzwischen habe ich noch eine weitere -oder sie mich?- gefunden) welche mir sicherlich noch die nächsten drei Monate Nacht für Nacht ihr "Servus" zuraunt und es mir mit ihrer etwas anderen Art von Rückenmassage unmöglich gestaltet ihre Anwesenheit zu verdrängen, bis ich mich schlussendlich dazu überwunden und all meine Kraft dazu aufgebracht habe in ein dänisches Bettenlager zu schlurfen um eine neue Matratze zu kaufen.

..und übrigens:
"Wir vermögen mehr als wir glauben. Wenn wir dies erleben, werden wir uns in Zukunft nicht mit weniger zufrieden geben."
(Kurt Hahn)


The Ramones - We want the Airwaves