Donnerstag, 30. August 2012

Man kann mich reizen ohne ende..


..aber wenn ich ruhig werde - RENN.

Was berechtigt XY dazu, meine Innteligäns als „spärlich“ zu bezeichnen? Ich bin keine Diplomstipendium anstrebende Hochbegabte, als wandelndes Fremdwörterlexikon würde ich mich niemals wagen zu bezeichnen, mein Allgemeinwissen beschränkt sich darauf, alle 16 Bundesländer namentlich zu benennen (welche ein Arbeitskollege aus Zeiten meines FSJs während eines mal wieder sagenhaft langgezogenen Arbeitstages, mir gnadenlos eingetrichtert hatte) und eine teils bei Asperger Autisten vorhandene, exzellent ausgeprägte bereichsbezogene Fachkompetenz, welche beispielsweise den breitgefächerten Bereich der Mathematik abdeckt – Hach wie war die Freude groß, als das Matheprüfungsresultat die in mir unglaublich hyperaktiven Endorphine zum Tanzen veranlassende Note 4 aufwies – habe ich ebenfalls nicht vorzuweisen.
Ich gebe ja zu, die anfänglich genannte Bezeichnung meiner Intelligenz stammt ursprünglich von meiner Wenigkeit selbst. Zur Verdeutlichung dieses zurückliegenden Prozesses:
XY: „blabla dadada bla…“
Ich: „Mit meiner spärlichen Intäligens hätt ich mir das grad noch zusammenreimen können.“
XY: „spärlich trifft´s ganz gut“

Liebe Männer im Allgemeinen, schaltet ausnahmsweise einmal Euren oft bereits zwischen Pornoheften und Flachmännern verkümmernden Verstand ein, sperrt Eure tauben Lauscherchen auf und lasst Euch Folgendes in Euer Gedächtnis einhämmern:
Wenn frau sich selbst auf eine beliebige Art und Weise schlecht redet, stellt das für Euch keineswegs die - verlockend, ich weiß - Einladung dazu dar, ihr diesen Komplex nochmals mit doppelter Wucht um die Ohren zu hauen. Zielstrebig und Sensibel wie ein Presslufthammer geht hier die Gattung „Mann“ an´s Werk und scheint sich nicht einmal darüber zu wundern, wenn plötzlich wochenlang kein schriftliches Lebenszeichen des Weibleins mehr auf der Eingangspost-Liste des E-Mail Accounts erscheint. Es ist nicht so, dass ich gelobt und gepriesen werden möchte - nein! Ich (und das ist mein vollster Ernst) weiß mit Lobeshymnen und Komplimenten absolut und definitiv nicht umzugehen (nenn mich fett, hässlich und strohdumm – und du hast eine vor Glückseeligkeit strahlende Frau dir gegenüber stehen). Aber wenn XY mir das mit tiefstem Ernst gegen die Stirn knallt, wohl wissend, dass er genau damit einen wunden Punkt anvisiert, welchen ich ihm in chronisch regelmäßigen Zeitabständen erleuterte, niemals anzupeilen, dann hat der Spaß ein gewaltig klaffendes, kohlrabenschwarzes, nach Verwesung und Tod stinkendes Loch.
Soll ich dem werten Herrn eine Pommesfritteuse besorgen oder reichen ein paar sich in der Gegend stapelnden Fettnäpfchen aus? Ich könnte ein Schild mit der freundlich einladenden Aufschrift „Reintreten und wohlfühlen!“ aufstellen. Bin ja schließlich nur ich, selbstverständlich gefühlstot und resistent gegenüber jeglicher verbaler Angriffe insbesondere von XY ausgehend, der sich unpassenderweise jeden verdammten noch so langweilig am Boden herumlungernden Kieselstein auf Ewigkeit einprägt.
Aber noch einmal nur für dich - auf die Gefahr hin laufend, dein Weltbild zu erschüttern und eine dir bislang wohl unbekannte Neuigkeit zu übermitteln - mit den gut gewählten Worten Hammys aus „Ab durch die Hecke“ erklärt: „Ich bin nicht dumm.“

und übrigens:
I am so clever that sometimes I don´t understand a single word of what I am saying.
(Oscar Wilde)


Benzin - Alles was du sagst

Dienstag, 21. August 2012

Wenn man 4 Buchstaben bei MAMA ändert..

..dann heißt es BIER.

Festival oder:
Irgendwann war die Palette leer - und ich voll.

Ach, wie ich diesen gesunden Lebensstil vermisst habe. Wir haben uns generationentechnisch in sofern weiter entwickelt, als wir uns nicht mehr von Luft und Liebe ernähren müssen, wie dies vor ca. 40 Jahren auf dem guten alten und legendären Woodstockfestival so üblich war, wobei ich bei "Luft und Liebe" beim besten Willen weder Marijuana, Hasch, noch sonstige gewollt-gehirnfunktionenvernebelnde Nahrungsersetzer zwischen den Zeilen heraus ausfindig machen kann.
Ich stelle mir das im Rückblick etwa so vor, wie bei einem vor längerem aufgegriffenen Artikel über ein in Flammen geratenes Hanffeld, welches beim Versuch, das lodernde Feuer per manuellen Wasserangriff zu bekämpfen, jeglichen sich im dienstlichen Einsatz befindenden Feuerwehrmann in eine Dröhnung der Superlative katapultierte, aufgrund der über dem Hanffeld zusammengebrauten Delirium verheißenden Rauchwolke, die vermutlich sogar der intelligentesten Atemschutzmaske und dem Botox-verhärtesten Gesicht ein High-Grinsen auf die Lippen gepinselt hätte. Nur dass sich unter beschriebener Drogenwolke des Woodstockfestivals keine Löschmännchen, sondern ein Haufen nackter, zu den gediegenen Klängen des auf seiner E-Gitarre schreddernden Jimi Hendrix tanzender, sich freudig im Schlamm suhlender Menschenhaufen herumtrieb. 

Doch zurück in die Gegenwart, die Packliste sieht doch ein jedes Mal gleichermaßen ausgeprägt aus:

1. Dosenbierpaletten (Pfandfrei!)
2. Klopapier *
3. Raviolidosen **
4. Zelt ***

* Bestenfalls vakuumdicht verpackt, da am Ende so oder so alles im - im Normalfall nicht unbedingt trockenen - Matsch auf Tauchgang geht.


** Unbedingt mit aufziehbarem Verschluss! Dosenöffner werden entweder zuverlässig daheim auf dem Küchentisch vergessen oder brechen beim ersten Versuch der Benutzung, in ihre chinesischen Einzelteile auseinander.

*** Optimal hierbei ist das HochPuffundAuf-Wurfzelt. Weshalb? Folgende Situation:
Man kommt schnaufend auf dem Gelände an, strampelt sich den 50 Liter Rucksack vom Rücken und dann folgt, zur Feier der eigenen Ankunft ersteinmal das Öffnen der ersten Dose Bier. Nach Konsumierung dieser, muss selbstverständlich sofort die zweite Dose folgen, da man gerade seine Zeltnachbarn kennengelernt hat und natürlich nicht unhöflich erscheinen- und sie mit dem Ablehnen des freundschaftlichen Anstoßens, vor den Kopf stoßen möchte. Gleich darauf fällt allgemein auf, dass der präsente Pegelunterschied in diesem Ausmaß absolut inakzeptabel ist und keinstenfalls in dieser enormen Form bestehen bleiben darf. (Unvorstellbar, was dies für Auswirkungen auf die gesamten anstehenden Festivaltage haben könnte!) also wird kurzerhand die dritte Dose aus seinem sowieso unter diesen (und allen anderen) Umständen viel zu stickigen Milieu, der Palette, befreit und in den unendlichen Weiten des menschlichen Schlundes versenkt. "Lasset das Bier atmen, Amen!" Tja und wie man das so von Mutti gelernt hat, muss, wie man zu Tische leer isst, eben hierzulande leer getrunken werden (als ob sich eine Palette sonderlich von einem handelsüblichen Teller unterscheiden würde, pah) um brav wie wir sind, zumindest dieses eingehämmerte Erziehungsdogma guten Gewissens umzusetzen. Mutti is stolz.
Gut, die Palette ist nun also leer - und wir voll. Zwei Erfolge, auf die man eigentlich bereits schon wieder mit gutem Grunde anstoßen könnte..wäre da nicht das Zelt. Schön verpackt, im originalgetreuen Zustand an den Rückspannern des im Staub zwischengeparkten Rucksackes. Dort hängt es zwar gut aber von selbst baut  sich die nächtliche Ausnüchterungszelle auch nicht auf. Die Zeltplanen werden also kunstvoll zwischen sich herumlümmelnden Ravioliüberresten vom Vortag und bis in´s Unkenntliche zerknautschten Bierdosen (deshalb pfandfrei!) ausgebreitet, die Zeltstangen, welche inzwischen in doppelter Ausfertigung vor dem eigenen Blickfeld herumschwanken wahllos im Erdboden versenkt und zur Krönung des ganzen, ein paar Streifen Panzertape hier und da sinnlos nebenan auf den Boden gelegt. Fertig. Oder zumindest ist das Revier nun markiert durch die kreativ aber sinnfrei am Boden liegende Plastik.
"Tja Leute, dann machen wir eben die paar Tage durch oder lassen uns jeden Tag in ein anderes Zelt fallen, mit Insassen, die noch betrunkener sind als wir und das nicht mehr realisieren."
An dieser Stelle ein Hoch auf das Wurfzelt!



Mist, ganz schön weit vom Thema abgeschweift.. Ursprünglich wollte ich hier auf virtuellem Raume, in die geheimnisvolle Welt, der unsere Gesundheit fördernden Nebenwirkungen des typischen Festivals einweihen, also - Klappe die Erste:

1. Laut ärztlicher Empfehlung sollen wir täglich bis zu 2 1/2 Liter Flüssigkeit in uns hineintrichtern. Nichts leichter als das. Der gute alte Hopfentee aka Bier lässt uns über diesen Maßstab um ein Vielfaches hinausschießen und was sich ein Naturgebräu nennt, kann nicht schlecht sein.

2. Der zäh- oder auch dünnflüssige goldbraun-schimmernde Schlamm gehört zum Festival dazu, beinahe wie das Dosenbier. Rümpft manch einer noch auf dem Weg zur Arbeit stampfend, seine Nase sobald der frisch lackierte Schuh sich mal wieder in eine Schlammgrube verirrt, so fängt dieser Jemand nun an, im Slalom von Pfütze zu Pfütze zu tollen, damit um Gottes Willen auch ja keines dieser naturgegebenen (und naturtrüben) Plantschbecken auf seinem Weg verkümmern muss, indem er sich nicht freudig darin herumwälzt. Richtig so, denn was in Kosmetik Boutiquen übertrieben teuer zum Verkauf offen steht, gibt´s hier gratis. Schlammmaske aufgetragen und über die verjüngt-zarte Haut freuen.


3. Hat man das Glück, next to einem See campieren zu dürfen, darf sich gleich doppelt glücklich geschätzt werden. Zum einen kann man sich der nach einiger Zeit bröselig werdenden Schlammkurschicht entledigen und kommt zum anderen parallel hierzu in den Genuss des höchstwahrscheinlich inzwischen durch die Entleerung einiger strapazierten Blasen um 10% gestiegenen Wasserpegels. Unhygienisch? Kaum. Urin fördert laut Studien die Abwehrkräfte des Körpers und wirkt nebenbei desinfizierend. Eine Gesundheitsquelle á la Mutter Natur.


4. Nun betrachten wir einmal die Thematik "Nahrungsaufnahme".
Es ist vielleicht noch nicht allgemein bekannt aber es bleibt durchaus nicht folgenlos, wenn wir unsere Raviolidosen zum Fußballersatz umfunktionieren. Durch die wie auch immer entstandenen Dellen und Schrammen im Blech, löst sich im Innenleben erwähnter Raviolidose förmlich der Putz von der Wand. Wenn man sich nur lange genug einredet, dass dieser Putz unter anderem auch Eisen beinhaltet, so kann man auch diese Variante der Eisenanreicherung als gesund ansehen.

5. Und dann gibt´s da ja noch die vom Heilpraktiker hoch angepriesene Schwitzkur. Es ist erst viertel nach Sieben, eine Zeit zu der man sich daheim normalerweise noch schlummernd und von glücklichen Murmeltieren auf der Blumenwiese träumend, im Bett umherwälzt. Man öffnet seine attraktiv rot glänzenden Augen und der erste Gedankengang, den das noch leicht betäubte Gehirn betätigt, schreit dir schrilltönig die Worte "RAUS HIER!" entgegen und da es nicht in der Absicht liegt, den Hitzetod zu erleiden, hört man ausnahmsweise einmal auf seinen Verstand und stürzt sich hechelnd aus seinem in der Sonne schmelzenden Zelt heraus - ich bemerke: um viertel nach Sieben!
Ähnliche Tortur erwartet einen vor der Konzertbühne. Links, rechts, vorne, hinten und teilweise über sich, drängen großzügig schweißabsondernde Skulpturen sich von einem Milimeter zum anderen um irgendwann genau den perfekten Milimeter zu finden, der einem sympathiebedingt am meisten zuspricht. Spart euch das Geld für Saunen- und Dampfgrottenbesuche, hier habt ihr beides gleichzeitig und dürft euch dazu noch an vielen, die psychische Gesundheit aufwertenden Kuscheleinheiten, erfreuen.

Resümee:
Wir brauchen uns kein schlechtes Gewissen einzureden, wenn wir unsere wehr- und machtlosen Körperruinen mal wieder auf eines der zahlreich über den Kalender verstreuten Festivals zerren. Wir tun ihm - wie ich hoffentlich ausführlich genug erörtert habe - einen großen Gefallen damit und Sorgen macht man sich schließlich schon genug im Leben.

und übrigens:
Nein Mutti, das ist nicht zu viel Bier für EIN Festival.. 

Rock im Park 2009 - Schlammschwimmer an der Center Stage

Dienstag, 14. August 2012

Rückfahrt nach Deutschland, 7.8.12


Ein letztes Mal noch nehme ich den bereits vor in Worten gepackten Erzählungen überquellenden Tourblock zur Hand, um die Nachwelt an meiner Art (Leute mal ehrlich, habt ihr nichts besseres zu tun, als euch mein Geschwafel hier reinzuziehn? ;P), das Leben auszukosten, teilhaben zu lassen.
Menschenunwürdige 9 ½ Stunden dieses Lebens spendete ich der Rückreise von Figino, Richtung „Nach Hause“. (Wie sehr ich mir doch zeitweise ein Straßenschild gewünscht hätte, auf welchem die Worte „Nach Hause“ zu lesen gewesen wären, am besten mit knallig-farbigen Luftballons verziert und einer in Klammern darunter gesetzten „Bitte hier fahren!“ Notiz. Aber nein, nicht einmal das kann man von der österreichischen Straßenverkehrsbeauftragten GmbH erwarten.) Mein Dekubitus hat sich wahrscheinlich längs zu einer ausgeprägten Nekrose weiterentwickelt, nächstes Mal wird eine Tüte Wattebauschs oder Marshmellows auf die Sitzbank gespannt, basta!
Dafür hatte sich die Fahrt durch die Schweiz, in welcher ich jegliche Strecken über die chronisch gerade verlaufende Autobahn erfolgreich zu umfahren gewusst hatte, um´s doppelt- und dreifache gelohnt (Schade nur, dass der Akku meiner Digitalkamera kurz vor dem San Bernardino Pass beschlossen hatte, den Geist aufgeben zu müssen).

 (San Bernardino Pass, Schweiz)

Es gibt solche Zufälle und es gibt solche Zufälle. Aber wie krass ist es denn bitte, dass man seinen alten Kumpanen aus früherer FSJ- und Zivi Zeit (damals war das noch verpflichtend, jaja) an einer niedlich kleinen Tankstelle mit integriertem Coop in einer Nebenstraße Churs trifft und das auch nur deshalb, weil man selbst zwar zuerst über den sich davor befindenden Kreisverkehr gerade hinaus gefahren, dann aber in der nächsten Parkausbuchtung gewendet hatte um in lechzender Erwartung, etwas Essbares zu finden, zurück zum Kreisel gefahren war, um sich an eben dieser Tankstelle vom Moped zu schwingen?! Die 4-köpfige Bande trudelte ca. zehn Sekunden nach mir mit ihren DDR-Rollern auf dem Platz ein und ich wurde nur deshalb auf sie aufmerksam, weil sie sich lautstark und voller Begeisterung über mein Nummernschild freuten, welches den ihnen wohlvertrauten Landkreis anzeigte, in welchem ihr und mein Zuhause quartiert war.
Okay – dachte ich mir – winkste mal höflich zurück. Gleich darauf hatten meine Gehirnzellen zu Ende gerattert und hämmerten mir die Information ein, dass es sich hier bei einem der sich begeistert Freuenden, um eben diesen alten Kumpanen handelte. Wir stießen daraufhin mit Eiskaffee und Knoppers (um 12.°°, nicht um halb 10.°°) auf unser Wiedersehen an und rollten dann, nach Vollendung eines Beweisfotos dieses Zufalls in verschiedene Richtungen – sie zum Comersee, ich über viele Umwege nach Hause – davon.


 (tummelten die und ein paar ihrer Artgenossen sich einfach auf meiner Strecke herum)

In Österreich war ich wie bereits angedeutet einige Male (ein seeehr dehnbarer Begriff) falsch abgebogen, sodass ich mich u.a. illegalerweise – da ich nicht im Besitz einer Vignette bin – auf einer Autobahn wiederfand, welche – wer hätte es für möglich gehalten – in die geographisch beinahe entgegengesetzte Richtung führte. Nachdem mir diese Erkenntnis nach ca. einer Stunde ebenfalls eingeleuchtet war, tuckerte ich über die nächste sich mir bietende Ausfahrt, einem lahmarschigen Dorfbus hinterher, auf einer Landstraße zurück zum letzten Ausgangspunkt. Einige Liter Benzin waren für diesen nicht in meiner Route einkalkulierten Abstecher zwar sinnlos in die Erdatmosphäre aufgestiegen, dies glich ich jedoch mit dem Kauf eines – den Regenwald unterstützenden – Bieres, wieder aus.

 (Ich knie demutvoll, dankend und in der Hoffnung, dass dieses liebe Maschinchen beim nächsten Betätigen der Zündung nicht in all seine Einzelteile, in einer rostigen Staubwolke und einem Haufen aus Metall, Kautschuk und Kunststoff zusammenbrechend verschwindet, nieder!)

und übrigens:
Um mich glücklich zu fühlen, ist es egal, wie viele negative Vorkommnisse an meinem Leben vorbei schrammen, sie müssen nur durch einen etwas größeren Anteil an Positivem wieder in die richtige Balance gebracht werden.

Daheim angekommen (Home sweet home!) kippte mein geschundener Körper sich erstmal kopfüber in sein Nest aus Bettdecken und Kissen, bis ich nach einigen Minuten des komatösen Entspannens dann noch den Rest meines Ganzen, in´s Bett hinein hievte. Da mein Gepäck sich trotz meiner dringlichen an es gerichteten Bitten, nicht dazu bewegen konnte, sich selbst auszuräumen, war es eben dazu verdammt, noch einen Tag länger in Tankrucksack und Gepäckrolle verstaut, vor sich hin zu vegetieren. Auch die Waschmaschine blieb vorerst trocken, während ich darauf hoffte, dass die professionelle Beseitigung, fauligen Geruchs und Schimmelflecken, zu einer ihrer Kompetenzen zählten, denn nichts auf der Welt hätte mich jetzt noch dazu gebracht, mich in einem solch übertrieben großen Ausmaß an hauswirtschaftlicher Tätigkeit (hust), heranzumachen und wenn sich das Gepäck in Italien noch nicht zum Zweizeller evolutioniert hatte, würde es dies heute bestimmt ebenfalls nochmals unterlassen.

Tipp 3 zum alltäglichen Alltagsüberlebenskampf im Alltag:
Überprüfe unbedingt vor- und nicht nach Tourbeginn, ob dein Navigationsgerät funktionstüchtig ist!

Awolnation - Sail

6.8.12 endlich wieder in Figino, Schweiz =)


Platzregen ist etwas Herrliches. Von der einen auf die andere Sekunde ist man durch und durch nass und die nach der ewigen Hitze erfrischend kühlenden Regentropfen rinnen in Sturzbächen am Körper hinab. Die Pflanzenwelt atmet – erleichtert, dass sie nun doch keinen qualvollen Dürretod erleiden müssen – „if you´re happy and you know it klapp your hands“ singend auf und sind endlich wieder als solche erkennbar, da es die tagelang aufgetragene und angetrocknete Staubschicht wegspült, die sich an sämtliche Grashälme, Palmblätter und sonstiges Außengewächs festgeheftet hat.
Ja Platzregen ist etwas grandioses und diese Meinung vertritt Italien scheinbar auch, denn es schenkte mir in all seiner Gastfreundlichkeit einen ganzen Himmel davon, welcher sich ab gut der Hälfte der achtstündigen Strecke zielgenau über mir entleerte und mich somit in den angenehmen Genuss einer restlichen Fahrt in gemütlich vor sich hin triefender Motorradmontur bescherte. Folglich war es meiner Meinung nach absolut legitim und gerechtfertigt, dass ich nach meiner feuchtfröhlichen Ankunft in der Jugendherberge das Warmwasserrepertoire der gesamten Gaststätte unter der Dusche aufbrauchte und dabei seelig und glücklich meinen langsam wohlig warm werdenden (noch immer dank der Sonne leicht angekokelten) Körper beim Aufdunsen beobachtete.

(Nachdem es sich ausgerägnert hatte, Blick aus der (trockenen!!) Jugendherberge in Figino, Schweiz)

Matisyahu - Sunshine

und übrigens:
Polizisten können äußerst freundlich sein und sogar sprechen!

Dank zwei St. Gallerinnen (die mich lehrten, dass Motorräder in ihrem St. Gallischen Kreise auf den Namen „Töff“ hören) schleppte ich mich nach meinem etwas verspäteten Mittagessen - welches aus den wahllos zusammengewürfelten und zu einer klebrigen Einheit zerschmolzenen Resten des gestrigen und vorgestrigen Tages  bestand - eher weniger besonnen hinab geschlungen hatte, doch noch an das Ufer des Luganer Sees und – oh Wunder – die Sonne hatte sich dazu entschieden, mir einige gold-schimmernde Abendstunden zu gewähren, bis sie sich in einem leichten Orangestich hinter der am See emporragenden Hügellandschaft, zurückgezogen hatte (nur um das klar zu stellen: ich bin so romantisch wie ein Festival-Dixi nach 5 Tagen Dauerbenutzung).

(so human sah das noch am Vortag aus) 
 
Zurück in der Jugendherberge sprangen mir sofort vier neue Motorräder in´s Blickfeld, welche sich im Nachhinein während ich am See Planschen war, zu dem Meinen gesellt haben mussten. Treppauf in den zweiten Stock, stolperte ich beim Eintreten in das Zimmer dann gleich einmal über einen wohl ebenfalls im Platzregen duschen gewesenen Haufen, männlicher Ledermonturen. Männlich deshalb, da – wie die Rezeptionistin mir später zerknirscht erklärte – die Herrschaften ohne dem Nennen ihres Geschlechtes gebucht hatten, sie davon ausgegangen war, Frauen zu beherbergen und nun nur noch dieses Frauenmehrbettzimmer genug freie Plätze aufgewiesen hatte. Macht nix, die spanischen Typen waren echt gut  drauf, befanden sich ebenfalls auf einer Tour - von Spanien über Frankreich und die Schweiz - und hatten mich ab dem Zeitpunkt an dem ich einen spanischen Trinkspruch zitierte (die einzigen spanischen Wörter, die ich in meinen Fremdsprachenkenntnissen noch zusammengekratzt bekommen habe) definitiv akzeptiert.
Da außer "Nane" ansonsten keiner der Spanier wirklich Englisch zu sprechen vermochte, fungierte er eben als wandelnder Duden bzw. als Dolmetscher und so kamen wir, während wir uns gemeinsam über den zuvor über uns allen niedergegangenen Regen beklagten, auf das Thema: unzureichende Kettenbeölung, zu sprechen.
Kurzum, das Kettenöl welches sie zufällig dabei hatten, wurde aus den Taschen hervorgekramt und zu dritt wurde meine leicht rostangefressene Kette wieder auf Fordermann gebracht. Dass sie ihren tiefen Schlaf durch das Imitieren mehrerer laufender Kettensägen untermauerten, verzieh ich ihnen deshalb auch gnädig (nicht zuletzt auch deshalb, da ich selbst anscheinend zeitweise dieses nächtliche Phänomen aufweise.)

(Drei der insg. vier Spanier: Nane, Sebir, Strogoff und Abuelete   ) 


>> Nachts im schaukelnden Stockbett, Figino, Schweiz <<

Kopfleere.
Die über die gerade erst entknoteten Ohrstöpsel in meine Ohren fließende Musik sorgt melodiös dafür, sämtliche Gedankenströme in meinem ansonsten tadellos (Lüge^.^) funktionierenden Gehirn auf Sparmodus zu reduzieren. Im ganz Speziellen ist hierbei Musik gemeint, welche deutschsprachig seinen Weg vom Songwriter über Tonstudio auf Youtube und zum guten Schluss in meinen MP3-Player beschritten hat. Man möchte unbedingt etwas – seiner Ansicht nach Lohnenswertes – zu Blatt bringen, schweift jedoch alle paar Takte mit seinem visuellen Sinn von der Spitze des Bleistiftes, welche ursprünglich produktiv tätig werden wollte, ab und widmet dafür um so mehr sein auditives Sinnesorgan den Lyrics zu, welche gekonnt von Tönen umrahmt wurden, die sich harmonisch im Ganzen betrachtet zu Melodien und Beats vereinen, die daraufhin dazu verleiten – nein beinahe dazu zwingen(!), im schwungvollen Rhythmus den Kopf und zeitlich versetzt aber doch in einem Takt, zu nicken, wippen, hämmern – nach Lust und Laute variiert das Ausmaß dieser stereotypen Bewegungsmuster zwischen eben harmlosem Kopfwippen und hemmungslosen Hämmern jeglicher körperfernen Bewegungsapparate auf die erschrockene Unterlage, auf welcher man sich momentan befindet, bis auch der letzte, einen aus dem Blickwinkel anglotzende (weil man ja nicht offensichtlich glotzen mag, um ein Wirken als Stalker zu vermeiden) zufällig im Bilde stehende aber an der Situation ansonsten völlig unbeteiligte Nebendarsteller dieses gedanklichen Schaubildes, kopfschüttelnd sein Haupt von einem wendet um demonstrativ anzudeuten, für wie definitiv unangebracht er dieses verhaltenstechnisch kreative Ausbrechen aus seiner hübsch angeordneten Normalität, hält.
Ganz falsche Fährte lieber Herr Nebendarsteller – Sobald die Musik an ist und seine Klänge in dich injiziert, gib verdammt nochmal ALLES! Punkt.

Sum 41 - Screaming Bloody Murder


23.°° Uhr, Savona

(Schlummerndes Savona von meinem Fenster aus betrachtet. Meine Kamera zählt leider nicht zu den Besten, in Real sah´s viel beeindruckender aus..trotzdem schön.)

Mir ist soeben der Sinn der Existenz einer Stechmücke wieder eingefallen! (wird wohl noch aus der Grundschule hängengeblieben sein) Sie dienen Vögeln aller Art als proteinhaltiges, fliegendes Nahrungsmittel und diese bringen dann durch´s bloße – da wären wir wieder beim Thema – Kacken, Pflanzen zum Wachsen! (selbstverständlich nicht der Stuhlgang an sich, sondern die darin enthaltenen Samen, grandios.)
Schade, dass aus meiner Toilettenschüssel noch kein Sprössling emporgewachsen ist, stell ich mir lustig vor.
Nungut, die Frage nach dem Lebenssinn einer Stechmücke wäre also geklärt, dumm nur, dass ich bis vor zehn Minuten die – bittebitte lass es so sein!- letzte von insgesamt sechs durch mein Zimmer surrenden Moskitos eiskalt ermordet habe, deren Gedärme und sonstige Eingeweide nun hübsch an Wand, Fenster und Buchrücken zu bestaunen sind.

Ja, so kennt man das...


>> 7.°° Uhr morgens, Abreise aus Savona <<

Es war nicht die letzte Stechmücke.
Es gab noch ein siebtes Exemplar dieser blutrünstigen, leider nicht vor dem Aussterben bedrohten- aber dafür wiederum auch nicht unter Naturschutzsstehenden- mir mit Vorliebe die Nachtruhe verderbenden Spezies. Da ich zu solch später Stunde keine schwereren Geschütze auftreiben konnte, bewaffnete ich mich, mit eisernem Willen meinen inzwischen enorm benötigten Schönheitsschlaf zu verteidigen (meine dunklen, alles andere als schönen Augenringe waren nach dem morgendlichen Erwachen trotzdem ziemlich beachtlich) mit einer Taschenlampe (ziemlich furchterregend!) und legte mich mit dem strammen Vorsatz, nicht einzuschlafen, im Bett auf die Lauer. Gefühlte fünf Minuten später zwang ich meine müden Augenlider sich aufwärts zu schleppen und war um satte drei Stiche, dick, geschwollen und provokant an genau selbiger Hand in welcher ich meine Funzel einst siegessicher auf Wachposten positioniert hatte – bereichert worden. Biest! Weitere fünf Minuten später allerdings hatten sich das Blut, das ich zuvor noch mein Eigentum zu nennen gewohnt war, da es nichtsahnend durch meine Blutbahn geronnen war + das Blut meines Gegners, der Stechmücke, freundschaftlich vereint und klebten gemeinsam auf dem einst hygienisch weißen Bettlaken der Jugendherberge. R.i.P. kleines nervtötendes Moskito, die Vögel werden schon nicht den Hungertod erleiden.

(italienische Tomaten, kreativer Anbau oder so ähnlich)

Savona, Italien 4.8. - 6.8.12


Okay, also wenn ich geglaubt hatte, Milano sei schon eine derart verwirrungsstiftende Stadt gewesen, dass selbst der älteste Ureinwohner bzw. Ortsansässige mindestens eine dreiviertel Stunde zum alleinigen Überqueren eines Zebrastreifens bräuchte, ohne sich dabei an das andere Ende der Stadt zu verirren, so belehrte mich meine alte Freundin, die Realität, knallhart eines Besseren. Tja, die dumme Sau hat halt stets ein nettes Ass für mich in ihrem wohl schier davon überlaufenden Ärmel. Da ich irgendwann damit aufgehört habe mitzuzählen, wie oft meine ohnehin bereits etwas von der zugelassenen Ursprungsform abweichenden Profilbeläge – TÜV lässt grüßen – ein und dieselbe Stelle an beiden Ortsausgängen kreuzten, schließe ich mal darauf, dass ich meine nächtliche Unterkunft an diesem Tag nicht mehr von innen gesehen hätte, wäre ich nicht auf einen Tankwart gestoßen, den ich so lange mit meinem gebrochenen Englisch und einiger unverständlichen Gestikulationen zusülzte, bis er schlussendlich noch viel verwirrter war, als ich es zu diesem Zeitpunkt – falls das nicht den Rahmen des Möglichen sprengen sollte – gewesen bin. So bestach er eine korpulente nette Dame mittleren Alters, die mich an die Frau der TV Sendung erinnerte, welche ständig „Rooobert“ zu krächzen pflegt (nein, ich weigere mich standhaft,  mir einen derartigen Schrott anzusehen) mir den Weg per Auto zu zeigen (idiotensicher, jeah!). Ich tuckerte also hinter der sich im Auto befindenden, der Frau im TV ähnlich sehenden, deren Sendung ich nicht auf mein Gehirn (das was davon übrig ist) loslasse, hinterher, bis sie abrupt vor einer Straße stehen blieb – und ich beinahe auf sie hinten drauf rammte – welche sich fast senkrecht einen Berg hinauf schlängelte. Im Alleingang schlängelte ich mich auf dieser also weiter vorwärts und hatte einige Kurven und Schlaglöcher später, meine dritte Reiseetappe erreicht.
Da ich für diesen Teil der Tour nun allerdings nur beschauliche 6 Stunden gebraucht hatte, stand ich bei der Ankunft vor einem einladend dreinblickenden, verschlossenen Tor und erinnerte mich gnadenlos daran, dass der erste Check-in erst um 17.°°Uhr von statten ging. 

Tipp 1 zum alltäglichen Alltagsüberlebenskampf im Alltag:

Egal um was es geht, frag einfach!

(Dieses Tor stand nicht immer so willkommens-grüßend offen..) 

Mehrere Optionen begannen also in meinem (restlichen) Gehirn von Neuron zu Neuron und Synapsen über Synapsen zu tanzen:

1.) Ich starte unter der erfrischend heißen Sonne eine Wanderung durch die hiesige Berglandschaft, bestehend aus italienischer Makkia und nach spätestens 15Metern in einem Urwald aus Lianen, Dornenhecken und aus der Erde wachsenden, verrosteten Töpfen – was die hier überall zu suchen hatten, war mich auch nicht ganz klar – endenden Pfaden.


(da, Beweisfoto)

2.) Ich entledige mich meiner irgendwie dampfgrottenähnlichen Lederkluft, suche mir ein lauschiges Plätzchen unter einer möglichst dichtbewachsenen, großflächigen, schattenspendenden, zum sauberen Klima beitragenden, Luftdurchlässigen, durch ihr hübsches Antlitz das Gemüt zum Strahlend bringenden .. (sind das zu hohe Ansprüche? Ich vermied es schon extra zu erwähnen, dass ich eine durch das Hineinrammen eines Stahlrohres, hervorsprudelnde verborgene Trinkwasserquelle, gratis gerne dazu hätte) Pflanze, unter welcher ich die restlichen 5 Stunden seelig vor mich hin schlummern, grunzen, sabbern und was auch immer, könnte.
 
Ich entschied mich letzten Endes für (aller guten Dinge sind...)
 

3.) Ich schmiss liebevoll mein Gepäck in´s nächstbeste Gebüsch hinter den verstaubten Toren, welches die Rezeptionistin am Telefon versprach, dann in´s Hostel zu tragen (als ich um 18.°°Uhr wieder kam, gammelten sie dann immer noch in ihrer gemütlichen Staubgrube vor sich hin und trauerten über die Tatsache, sich noch nicht zum Zweizeller entwickelt zu haben. Toll.) setzte mich sicherheitsbewusst in kurzen Hotpants auf das Moped und fuhr über alle sich mir bietenden Umwege (man soll ja jegliche Chance ergreifen) - durchaus darüber im Klaren, nie wieder zurück zu finden - zum 4km entfernten Strand, der mir durch seine im Sardinenstil angeordnete Belagerung alsbald verhieß, dass ich sicher nicht die einzige deutsche Staatsbürgerin sein würde, die sich hierher verirrt hatte. Nachdem ein stark pigmentierter Afro-Amerikaner mit was weiß ich für einer Herkunft oder wie man das auch in höflicher Form nennt, mir indirekt ans Herz gelegt hatte, einmal „his black one“ zu probieren "you know what I mean?" und ich dieses Angebot dahingegen sehr direkt aber dennoch dankend, abgelehnt hatte, wandte ich mich den bedeutend wichtigeren Dingen des Lebens zu: triefend am Strand in den Sand hinein schmelzen, sich alle fünf Minuten im Currywurst-Verfahren um 90° drehen und langsam aber sicher den gesundheitsverheißenden, krebsroten Hautteint unter den – dank Ozonlöcher ungehindert zu uns gelangenden – Sonnenstrahlen zu erlangen, um sich danach über das angenehme, sich bei jeglichem Hautkontakt einstellende Brennen, zu freuen. Irgendwann wies mich eine goldige, verhunzelte Omma (ich glaube zumindest sie tat es) in ihrem italienischen Gebrabbel darauf hin, dass mein Kopf wohl mehr Rot, als Gesicht beinhalte und ich trat den Heimweg an.
(Fortsetzung folgt)
(Badestrand in Savona, Italien)

>> Worin liegt eigentlich der tiefere Sinn einer Stechmücke? War Gott langweilig? War ihm zwischen all seiner göttlichen Güte zur Abwechslung einmal nach Quälerei zumute? Kann ja mal vorkommen, ein kleinwenig masochistisch ist schließlich jeder veranlagt. Aber warum so?! Okay, ich hatte zuvor wenig liebevoll eine ihrer Artgenossen (sogar per Hand!) um die Strecke gebracht aber seit dem Neuen Testament dürfte Gott doch eigentlich nicht mehr auf Rache aus sein? Um eines Bekannten weisen Ausdruckes zu zitieren: „kapirinet!“.
Die Nacht habe ich mit der alles andere als schlaffördernden und erholsamen Aktivität verbracht, pausenlos das Bettlaken zuerst über meinen Kopf, bis ich kurz vor´m Eingehen und einer Atemnot stand – und das Bettlaken daraufhin bis weit unter die Füße hinab zuschieben, bis eben das nerventötend liebliche Geräusch wieder damit begann, neben meinem Kopf umher zu surren, um mir gastfreundlich die Nacht zu versauen.
Naja so schlimm war´s dann auch wieder nicht aber gegen das Erleiden an Herzinfarkt, Verbrennen an nicht vorhandener Starkstromleitung oder schichtweg Tot-Umfallen dieser meiner Ansicht nach wenig sinnstiftenden Gottesschöpfung, hätte ich in dieser Nach auch nichts gehabt. <<

(Fortsetzung folgt nun)

Um den Strand nicht in einem eventuell schlechten Licht (ich weiß nicht wie meine Beschreibungen beim Einzelnen rüber kommen) dastehen zu lassen, hier die positive Aufwertung:
Es hat Wellen! Endlich gescheite Wellen! Und Felsen, an welchen die Wellen mit ihren geschlagenem-Eiweiß-ähnlich-sehenden Schaumkronen, zerschellen und an´s Ufer springen können. Wellen, die auf offenes, noch nicht durch künstlich aufgestapelte Wellenbrecher verfälschtes, den ohnehin schon vorhandenen Sonnenbrand darin zu erweitern geeignetes, (Der Sonnenbrand verwandelt sich so oder so nachdem er mich durch sämtliche Stufen des Schmerzes gehetzt hat, in ein – hoffentlich – knackiges, der Farbe eines knusprig gerösteten Toastbrotes gleichendes, Braun.) in allen denkbaren Blautönen schimmerndes, erfrischendes Meer deutende Wellen, die kurz gesagt die Lizenz dazu haben, mir den Tag zu versüßen.
Und erwähnte ich bereits die Wellen?

und übrigens:
Hier wächst das Dosenbier auf Bäumen. Mein Land! ;-)
 
Tipp 2 zum alltäglichen Alltagsüberlebenskampf im Alltag:

Sonnencreme steht nicht nur zur Dekoration im Kaufhausregal rum! 

An dieser Stelle das Memo an mich:
Denk an den von dir unbedingt erwarteten Kauf der völlig überteuerten aber dafür potthässlichen Postkarten mit dem Abbild eines Entspannungsverheißenden Strandes, auf welchen du in dieser grafischen Darstellung eigentlich  niemals auch nur einen Fuß gesetzt hast – du aber trotzdem kaufst, weil du deinen Freunden ja beweisen musst was für einen herrlichen Urlaubsort du rausgesucht hast..und vergiss um Himmelswillen die scheiß Herzen am Ende deiner angestrengt und tiefsinnig hingeschmierten Worte nicht!

(Aufstieg zur Jugendherberge am Abend nach dem zweiten Strandtag)
 
Jaya the Cat - Good Morning
(Ohrwurm während des Abstieges zum 4km entfernt liegenden Strand)


Tag 3;


und da bin ich auf meinem Trip doch tatsächlich auf so etwas wie Normalität gestoßen.
Es ist wohl etwas international, weitläufig Gängiges, sich in jeder sich bietenden Lebenssituation und mit allen während diesen sich ergebenden Situationen auf dich treffenden Personen, über ein damals wie heute noch aktuelles Weltthema zu unterhalten, dem Kacken. Da macht es keinen großen Unterschied, ob genannte themenbezogenen Gespräche auf einem ohnehin für seine höchst hygienischen Geschäftserledigungsplastikboxen bekannten Festivalgelände, bei einer von Professionalität zeugenden Debatte über Konsistenz, Kontinuität, Farbe, Gewicht oder Geruch – und was auch immer auf ein gesundes Stück Scheiße hinweist – eines ergatterten Exemplares des seit Tagen mit unergründbaren Magenkrämpfen sich überglücklich auf der Krankenhausstation XY durchquälenden Patienten – oder eben im selbsternannten Nobelrestaurant, bei welchem einem die Küchenschaben – niedliche Dinger, ne? – beim Verschlingen der sich in dünnen Scheibchen auf deiner Pizza herumtreibenden, vor einigen Tagen noch seelenruhig auf der Wiese herumtollenden, weidenden Kühe, großglotzig beäugen und sich wie die etwas animalisch veranlagten Damen der AXE Werbung kreischend auf alles schmeißen, das ihrem Beruchs/ bzw. Geschmacksinn positiv zusagt.
(Okay, das mit den Schaben ist etwas zu dick aufgetragen, hört sich aber dramatischer als zwei durch und durch ihre bösartige Natur durch herzzerreißend goldige Glubschaugen ausdrückende Spatzen, an.) Warum wir allerdings für den Tisch blechen mussten will mir nicht ganz einleuchten – der ist in Italien wie in Deutschland nicht essbar!

 (mit den Holländerinnen und standartgemäß italienischer Pizza)
Wenn du in Italien als Frau (rein biologisch gesehen zumindest – obwohl, mein Kinesiologe offenbarte mir einmal die faszinierende Existenz eines erhöhten Testosteron-Spiegels in der Umlaufbahn meines Körperkreislaufes, daher bin ich mir nicht einmal diesbezüglich zu 100Prozent sicher) mit dem Moped und auch noch im Alleingang auf Tour bist, wirst du automatisch zu einer im wahrsten Sinne des Wortes, kleinen (denn ich rage nur etwa 1,65m in die Höhe) Attraktion und da die lieben Italiener sich nicht durch die Bildung englischer Wortlaute ausdrücken können, tun sie dies eben durch das sich minutenlang ziehende, in der Lautstärke an- und abschwellende, sich etwas nach Diarrhoe anhörende Imitieren eines Motorengeräusches mit den dazu passenden rotierenden Handbewegungen, wobei es hier niemanden zu interessieren scheint, dass die Beschleunigung im mir bekannten Normalfall mit der rechten- nicht mit der linken Hand gesteuert wird (Klugscheißer, I know. Aber wenn man ansonsten schon kaum einen Zwei- von einem Viertakter unterscheiden kann – gut, zumindest diese Fähigkeit habe ich inzwischen erworben- wird man doch wenigstens damit prahlen dürfen.)

und übrigens:
Wenn du nichts zum Lesen hast, schreib selbst was!

(Entfernung zum Strand: lässige 10 Meter ;-)

Desserttipp:
Vanilleeis, ertränkt in unverschämt starker Espressosauce. (Mir an´s Herz gelegt worden von einer der beiden Holländerinnen, da ich meinen Eiskaffee bisher nur als in einer wässrigen Kaffeebrühe schwimmende Vanilleeiskugel, geschlürft hatte.)

DJ Bobo - Amazing Life

Marina di Massa, Italien 1.8. -4.8.12


Geplante 6 Stunden haben sich mal eben zu beachtlichen 9 Stunden ausgedehnt, aber wenn sich nach 6 Stunden so langsam am Allerwertesten Druckgeschwüre anzubahnen drohen, machen´s die 3 Stunden hin oder her als Zugabe ja nu auch nicht mehr groß aus, richtig? Falsch! Schuld an dieser unfreiwilligen dekubitusfördernden Tankverschwendung sind zum einen mein bockwurstähnlicher Orientierungssinn, der mich aufmerksam und stets zuverlässig in Momenten meiner absoluten Verwirrung daran erinnert, dass ich ihn nicht habe - und andererseits die extreme Sparsamkeit, mit welcher Italien seine Straßen mit Schildern zu schmücken pflegt (gibt´s da Parallelen zur Finanzkrise?). Aber da hier so oder so jedermann auf Verkehrsregelungen einen (hierzulande) trockenen Dreck zu geben scheint, versetzt diese Gegebenheit mich auch nicht mehr allzusehr in Verwunderung. Der optimistisch gestimmte Rat einer deutsch-sprechenden Italienerin (nachdem ich – zu diesem Zeitpunkt bereits nur noch auf den letzten Tropfen meines Resttankes fahrend – 10km weit einen Berg hochgetuckert war, mit der stetigen Befürchtung, genannter restlicher Tropfen könnte ebenfalls im Nirwana verschwinden und mich dazu zwingen, ganz nach dem Motto „wer sein Moped liebt, schiebt.“ Dazu gezwungen sein, mein Maschinchen an den Hörnern zu packen und sie die übrigen paar Kilometer bergauf zu schleifen, in der Hoffnung, auf der anderen Seite bergab bis zur nächsten Zapfsäule rollen zu können) lautete - nachdem sie mir grinsend an höchster Stelle des Berges angekommen, zu verstehen gab, dass hier Endstation sei (hurra-.-) – Ich solle mich glücklich schätzen, sobald ich ein meiner Route zusprechendes Straßenschild aufgetrieben habe (einfangen und nie wieder los lassen!!) und daraufhin in einer sagenhaften Gutgläubigkeit die nächsten 20-30km darauf vertrauen, dass mein Gefühl bei allen weiteren Abbiegungen schon richtig sei, da Straßenschilder hier wohl zu einer enorm vor dem Aussterben bedrohten Spezies gehörten. Klasse. Vor allem wenn man sich in dem unscheinbaren, kleinen Metropölchen namens Milano befindet. Ich für meinen Teil habe jedenfalls eine pervers lange Stunde damit verbracht, mir einen Ausweg aus dem stickigen Gemisch aus höchst enthusiastisch lenkenden Kleinwagenbesitzern, beim Gehen einschlafenden Zebrastreifenüberquerern und anderen höchstwahrscheinlich seit Jahrzehnten durch den TÜV gerasselten 4- und 2-reifigen Umweltverpestern, zu bahnen.
Naja zumindest war ich auf diesem zugegebenermaßen etwas zu zeitlich ausgedehnten Teil meiner Tour wieder dazu befähigt, die digitale Geschwindigkeitsanzeige zu entziffern, die sich den Tag zuvor heimtückisch hinter dem sich vor mir in leichter Schräglage emporreckenden Turm  von Pisa aka. Tankrucksack, versteckte.
Wäre in dieser Verkehrsregelungenmeidenden Kultur aber wohl auch egal gewesen.

(Beginn der Alpennin-Berglandschaft, Italien) 

und übrigens:
Ich glaube man hält sich hier automatisch am besten an die Regeln, indem man auf sie scheißt.

Mein Motto bewährte sich trotz all dieser Strapazen langsam aber sicher (auch wenn mir die direkte Variante aufgrund der schweißtreibenden Temperatur doch lieber gewesen wäre – es fühlt sich nicht unbedingt so genial an, wenn man in der luftdichten Lederkluft auf einmal zu Schwimmen beginnt). So bin ich doch zumindest in den Genuss einiger sich Kilometer über die südliche Apennin-Berglandschaft ziehende, meine Arschmuskeln etwas entlastenden Kurven in vielversprechender Piniengesellschaft,  gekommen.
Schweißüberströmt und mit Used- oder noch besser: Wasted-Look verkörpernder Haarfrisur..nein, das kann ich beim besten Willen nicht mehr als Frisur durchgehen lassen, da sich keine einzelne Strähne mehr für eine Himmelsrichtung zu entscheiden scheinen konnte – schob ich meine Füße mit letzter Willensraft vor die Rezeption um daraufhin jegliche Wege zum zugeteilten Zimmer entlang zu pilgern – nur nicht die von der Rezeptionistin beschriebenen.
Mal ehrlich. Ich glaube ich habe die unglaublich unnütze Gabe, gezielt die Richtungen zu vermeiden, welche mir ausführlich erklärt werden. Vielleicht sollte ich ab sofort einfach nur noch entgegengesetzt zu meinem Verstand arbeiten, dann müsste sich meine Negativ-Version der links-rechts, vorne-hinten, oben-unten Geschichte doch irgendwie ausgleichen lassen, oder?

(einfach weil ich sie mag, die Pinien)

Im Zimmer wurde ich von einer Vollblüterin italienischer Gattung, begrüßt, die zwar in leicht schizophrenen Zügen zeitweise vor sich hin schwafelte, über alles und jenes zu schimpfen wusste, ansonsten jedoch ganz nett- und sogar etwas englisch zu sprechen bemächtigt war (Italiener mögen ja vieles können, z.B. Eiscreme herstellen, Pizza backen und im Verkehrsregelnbrechen sind sie ebenfalls Spitzenreiter – 1.Liga wirklich) aber eine Konversation auf Englisch kannste dir von vorne herein abschminken. Frag da mal nach dem Weg, denen ist egal, ob du auch nur ein einziges von ihnen an dich gerichtetes Wort verstehst – nein, sie überschütten dich mit einem Wortschwall aus italienischer Sülze, schmeißen energische Handbewegungen auf deinen Berg aus Planlosigkeit und falls dann dein Repertoire an Verwirrung noch ein kleines freies Plätzchen aufweisen sollte, geben sie dir mit einer Mischung aus bis zur Unkenntnis misshandelten Stadtnamen, „si si“s,  „no no“s, „allora“s und durch die herrlich idyllisch verstaubte Stadluft fliegende Gliedmaßen von Händen und Füßen, den Gnandenschuss.

(Jugendherberge in Marina di Masse, Italien)

Den Tag darauf traf ich in der, einer Villa gleichenden Jugendherberge, zwei deutsche Backpackerinnen und zwei holländische Reisende an (die Frage, ob man in Holland dauerstoned sei, beantworteten beide mit einem Nein – wieder was dazu gelernt), mit denen ich einerseits mein seit der Schulzeit etwas eingerostetes Englisch auffrischen- und andererseits den Mittag und Abend in einer Gesellschaft verbringen konnte, die nicht mit temperamentgeladenen italienisch sprachigen Salven auf mich zielte, in der Hoffnung, mein Sprachverständnis könne sich dadurch wie durch ein Wunder erweitern und ich, der italientischen Sprache mächtig werden.

(Sonnenaufgang am Hafen)

Was gibt´s noch zu erwähnen? Momentan werde ich von einer Horde, am Strand ihre kindliche Unschuld in knallhartem Kinderbier ertränkenden Minderjähriger wach gehalten, während ich selbst als rotierende Bazillenschleuder in meinem Bett liege und wie ein Rasensprenkler meine Keime in alle erdenklichen Richtungen hustete, soll ja schließlich keiner später behaupten können, er sei zu kurz kommen. Ich hoffe, dass der Großteil des Zimmers Ohrenstöpsel benutzt. Gute Nacht!

Buchtipp: "Sind wir schon da?" von Clemens Haipl
Hat inhaltstechnisch eine etwas einschläfernde Nebenwirkung mit der Zeit, ist aber auf eine ungewohnt unbefangene, geniale Art geschrieben.

PacoVolume - Wolves